Von „unlauteren“[1] oder „fragwürdigen“[2] Methoden bis hin zu einem „ruinösen Wettbewerb um die billigste Krankenkasse“[3]: der Wettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung ist sowohl in der Fach- als auch Boulevardpresse ein kontrovers diskutiertes Thema. Schadet der Wettbewerb der Versorgung? Ist der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen überhaupt gerecht? Sind Unterschiede in dem Leistungsspektrum von Krankenkassen mit dem Solidarprinzip vereinbar? Und über welche Parameter sollte ein funktionierender Wettbewerb gestaltet werden? Mit diesen und vielen weiteren Fragestellungen beschäftigte sich vom 20. bis 22. September 2019 das zweite Think Camp des Jahres, veranstaltet von der Stiftung Münch.

Was ist das Think Camp?

Das Think Camp wird von der Stiftung Münch veranstaltet. 15 ambitionierte Berufsanfänger und Studierende aus verschiedenen Disziplinen tüfteln über ein Wochenende in Kleingruppen an vorgegebenen Fragestellungen aus dem Gesundheitswesen. Begleitet wird das Think Camp von spannendem Input durch ausgewählte Referenten.

Ein Wettbewerb zur Verbesserung der Versorgung und Effizienz

Das Think Camp in Hamburg beschäftigte sich mit einem fairen Krankenkassenwettbewerb. Das Ziel der Teilnehmer bestand darin, Lösungswege für einen gerechten Wettbewerb zwischen den Krankenkassen zu finden, der die Versorgung der Versicherten verbessert und diese ebenfalls effizient gestaltet. Bei dieser Mammutaufgabe waren die Teilnehmer natürlich nicht auf sich allein gestellt. Begleitet wurde die Veranstaltung mit spannendem Input von Dr. Mani Rafii (Vorstand der Barmer) und Dr. Hans Unterhuber (Vorstand der Siemens BKK). Beide Vorstände stellten den Wettbewerb, die Fehlanreize und Parameter jeweils aus Perspektive von zwei verschiedenen Krankenkassen dar und vermittelten den Teilnehmern einen Einblick in das Praxisgeschehen.

Nach dem ersten krankenkassenlastigen Einstieg am Freitag startete der Samstag mit Dr. Albrecht Kloepfer (Büro für gesundheitspolitische Kommunikation) und der Fragestellung, ob es den idealen Wettbewerb in der Krankenversicherung überhaupt gibt. Dr. Marc Bataille von der Monopolkommission ergänzte diese Fragestellung um den Aspekt, wohin sich die GKV entwickeln wolle.

Der perfekte Wettbewerb in der GKV

Mit dem perfekten Wettbewerb verhält es sich wahrscheinlich ähnlich wie mit Nessi, dem Ungeheuer von Loch Ness: viel zitiert, doch nie gesehen. Denn: jedes Modell hat seine Vor- und Nachteile. Doch bei einem Aspekt sind sich die drei Gruppen einig – für einen fairen Wettbewerb müssen alle Teilnehmer von der gleichen Startposition aus starten können. Das gilt sowohl im Sport als auch bei Krankenkassen.

Das Attribut „perfekt“ ist aber wahrscheinlich etwas hoch gegriffen, denn wie schon die Lehre der (Gesundheits-)Ökonomie zeigt, bestehen etliche Gründe für Marktversagen im Gesundheitswesen, die zu keinem optimalen Ergebnis führen. Dennoch existieren viele Stellschrauben, wodurch das heutige System gerechter gestaltet werden kann.

It‘s Showtime – der Konsens über die Ergebnisse der Teilnehmer:

Fazit des Think Camps: Einen Wettbewerb muss es auch weiterhin in der GKV geben. Denn nur so wird das stetige Bestreben nach Verbesserung gestärkt. Allerdings muss der Gesetzgeber eingreifen, um für alle Wettbewerber gleiche Startvoraussetzungen zu schaffen. Hierzu bedarf es zum Beispiel der Vereinheitlichung der Aufsicht sowie der Anpassung des morbiditätsadjustierten Risikostrukturausgleichs. Zusätzlich sollen die Handlungsoptionen für Versicherte ausgebaut werden und so für mehr Autonomie durch die Wahl von individuellen Versorgungsoptionen führen. Außerdem wird angeregt, mehr Vertragswettbewerb auf Seiten der Leistungserbringer zu wagen. Schließlich bedarf es einer Regulierung dahingehend, dass sich der Wettbewerb stärker auf die Qualitäts- statt allein auf die Preiskomponente fokussiert.

Interesse beim nächsten Think Camp dabei zu sein? Aktuell werden wieder Teilnehmer zum Thema „Neue Vergütungsmodelle in der Versorgung“ vom 15. bis 17. November in Berlin gesucht. Mehr Infos unter: https://www.stiftung-muench.org/netz-werk-macher/

Jacqueline Posselt

Ich studiere Public Health an der Medizinischen Hochschule Hannover und arbeite parallel zum Masterstudium in einer gesetzlichen Krankenversicherung. Mein Interessenschwerpunkt liegt im Versorgungsmanagement mit dem Fokus nachhaltige Lösungen zur Verbesserung der Versorgung zu finden.

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