Blogbeitrag

Meine Tante und ihre neue Lunge

Organspende – ein Thema, das immer wieder kontrovers diskutiert wird. In meiner Familie gehört das Thema „Organspende“ zu vielen Gesprächen. Ich war fünf Jahre alt, als meine Tante eine Lunge transplantiert bekam. Dadurch wurde mir schon früh bewusst, wie wichtig es ist, dass Menschen einen Organspende-Ausweis haben. Ohne den Organspender meiner Tante würde mir meine lebensfrohe, starke und liebevolle Tante fehlen. Meine Tante ist mein Vorbild, denn sie zeigt mir, dass jeder Tag ein Geschenk ist.

Vor rund 20 Jahren hatte meine Tante als junge Mutter im Alter von 33 Jahren regelmäßig mit Kurzatmigkeit zu kämpfen. Wenn sie mit Freundinnen unterwegs war, fehlte ihr nach wenigen Schritten bereits die Luft, trotz einer bis zu diesem Zeitpunkt soliden Kondition, und ihre Lippen färbten sich blau. Die erste Vermutung des Hausarztes im April 1999 war eine Herzerkrankung. Nach einem EKG (Anm. d. R.: Elektrokardiogramm) wurde plötzlich eine Erkrankung an der Lunge vermutet, so dass der Weg zum Pneumologen und zur Bronchoskopie führte bis eine stationäre Aufnahme, aufgrund des schlechten Allgemeinzustands, erfolgte. Die Diagnosen Sjörgensen-Syndrom mit Befall der beiden Lungenflügel und eine pulmonale Hypertonie wurden nach einem Untersuchungsmarathon gestellt.

Lunge _Photo by Robina Weermeijer on Unsplash.jpg

In einer Visite – statt im vertraulichen Arzt-Patienten-Gespräch – fiel dann beiläufig das Wort „Transplantation“. Zur Auswahl standen die Zentren in Berlin, Hannover und München. Die Wahl fiel auf die Medizinische Hochschule in Hannover, wo bereits im Oktober durch eine Herzkatheter-Operation die Vorbereitung auf eine mögliche Transplantation erfolgte. Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde meine Tante dann auf „die Liste“ gesetzt. Nach einer deutlichen Verschlechterung mit zahlreichen stationären Aufenthalten in der Universitätsklinik in Gießen wurde der Status auf „dringend“ geändert und sie konnte Gießen nicht mehr verlassen.

Der erste Anruf der Medizinischen Hochschule Hannover erfolgte kurz nach Ostern im Jahr 2000. Mit dem Helikopter erfolgte die Reise nach Hannover. Bereits vorbereitet für den Eingriff der Transplantation, wurde die Nachricht verkündet, dass keine Transplantation stattfindet. Es lag eine Vergiftung des Entnahme-Organs vor. Also kehrte meine Tante ohne ein neues Organ nach Gießen zurück. Wenige Wochen später reiste meine Tante erneut für eine Transplantation nach Hannover, doch auch dieses Mal gab es schlechte Nachrichten. Die Lunge hatte einen Riss und wurde daher nicht transplantiert. Doch die dritte Anreise blieb nicht erfolglos und die Transplantation fand statt. Nach drei Tagen im Koma wachte meine Tante mit ihrer neuen Lunge auf und begann ein neues Kapitel.

Nach der Transplantation wurde eine Lebenserwartung von 12 bis 15 Jahren prognostiziert. Heute lebt meine Tante bereits seit 19 Jahren mit ihrem Spenderorgan. Trotz des kräftezehrenden Eingriffs, mehreren Abstoßungen und Nebenwirkungen der Medikamente ist meine Tante dankbar für das Leben, das der Spender ihr geschenkt hat. Sie hat natürlich viel über den Spender nachgedacht und vermutet, dass es sich um einen Sportler handelte, da die Lunge in kürzester Zeit hervorragende Werte brachte. Außerdem hatte sie – im Gegensatz zu den ersten beiden Anreisen – viel Zeit, um nach Hannover zu fahren, so dass sie vermutet, dass der Spender in der Gegend gelebt hat. Sie möchte nicht mehr Details über den Spender wissen, doch ist ihm unglaublich dankbar und auch den Angehörigen, die der Organspende zugestimmt haben.

Der Weg meiner Tante hat meine ganze Familie beeinflusst. Man sagt, eine Krankheit kann Menschen verändern. Ich denke, dass eine Organspende ganze Familien verändert. Die Organspende hat uns eine wunderbare Zeit mit meiner Tante geschenkt, die hoffentlich noch sehr lange andauern wird.

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (Stand 2020)

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (Stand 2020)


Anmerkung von der Redaktion: Jeder kann und sollte sich zu dem Thema Organspende positionieren. Man kann sich hierzu über verschiedene Wege informieren. Zum einen informieren die gesetzlichen Krankenkassen in regelmäßigen Abständen. Das Bundesministerium für Gesundheit informiert auf folgender Seite zu dem Thema: BMG – Thema Organspende. Über diesen Link des BMG könnt Ihr Euch direkt (falls Ihr noch keinen im Portemonnaie habt) einen Organspendeausweis ausdrucken.

Milena Kolb

Milena Kolb studiert seit September 2018 berufsbegleitend im Master Medizinmanagement an der Hochschule für Ökonomie und Management in Frankfurt am Main, nachdem Sie zuvor ihr Bachelor-Studium der Gesundheitsökonomie an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden abgeschlossen hat. Sie hat bereits berufliche Erfahrung in der GKV sowie im Krankenhaus sammeln können. In der Freizeit engagiert sie sich bei Hashtag Gesundheit e. V.

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