Der #Faktencheck zum Podcast:

Drogen, Drogen, Drogen – Folge 9

Was spricht für und gegen eine Legalisierung von Cannabis? Wie steht die Politik zu Drogen? Wie einfach ist es an Drogen zu kommen? Und wie schwierig ist es wirklich einen offenen Dialog zu führen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Timo und Frederike in der 8. Folge des Gesundheitspodcast Generation Gesundheit. Zu Gast im Podcast sind Daniela Ludwig, CSU-Politikerin und Drogenbeauftragte der Bundesregierung und Prof. Dr. Andrew Ullmann, FDP-Politiker, Mediziner und Infektiologe. Außerdem zu Gast ist Enrico, ein Crystal-Meth-Aussteiger, der über seine Erfahrung mit der Droge berichtet.


Hier ein kurzer Überblick über die wichtigsten Themen in diesem Blog:

#1: Drogen und Politik – Was geht aktuell in der Politik? 

Vom Cannabis-Positionspapier der SPD-Bundestagsfraktion bis zum Drug-Checking

#2: Von Cannabis zu ‘legalen Drogen’

#3: Aufklärung und Selbstbestimmung

#4: Wenn Drogenkonsum zum Alltag wird

#5: Ein offener Dialog vs. Stigmatisierung: Vereinbar miteinander?

Klugscheißer-Facts zu Cannabis und chemischen Drogen
Klugscheißer-Facts zu Cannabis und chemischen Drogen
  • Die am häufigsten konsumierte illegale Droge: Cannabis (auch genannt: Gras, Weed, Marihuana oder Haschisch)
  • Der Besitz und die Weitergabe von Cannabis sind in den meisten Ländern verboten.
  • Verantwortliche für den Rausch ist der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC); er beeinflusst das Zentralnervensystem und wirkt muskelentspannend, beruhigend und übelkeitsunterdrückend.
  • Neben Cannabis gibt es noch weitere Drogen, dazu zählen neben Alkohol auch chemische Drogen wie z. B Kokain, Crystal Meth und LSD (Lysergsäurediethylamid).

Mehr Infos zu Suchtmitteln findet ihr im aktuellen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung.

#1: Drogen und Politik – Was geht aktuell in der Politik?

Timo und Frau Ludwig starten ihr Interview mit einem aktuellen Thema in der Drogenpolitik: In der andauernden Debatte um die Legalisierung von Cannabis hat die SPD-Bundestagsfraktion am 11.02.20 ein Positionspapier veröffentlicht. In wenigen Worten zusammengefasst fordert die SPD-Bundestagsfraktion: 

  •  Modellprojekte in Kommunen zuzulassen, in denen kontrolliert Cannabis an Erwachsene abgegeben wird.
  • Die Verfolgung von Cannabis über das Ordnungswidrigkeitenrecht anstatt das Strafrecht.
  • Den straffreien Eigenbesitz einer geringen Menge Cannabis (Menge nicht näher spezifiziert).

Doch wie genau steht Frau Ludwig zu diesem Positionspapier?

Frau Ludwig stellt fest, dass in diesem Papier die Tiefe und die Aufklärung fehlt, die wichtig sind um das Thema voran zu treiben. Auch der Glaube, dass eine Entkriminalisierung zu einer Reduzierung des Cannabiskonsums führe, sei durch keine internationalen Studien belegt. Sie fordert: 

“SPD, wenn ihr die Legalisierung wollt, dann traut es euch zu sagen und versteckt euch nicht hinter Fachbegriffen.”

Dieser Kommentar passt übrigens sehr gut zu dem Twitter-Shitstorm, den Timo zum Thema ‘Anonymer Einsatz für die Legalisierung von Cannabis’ ausgelöst hat – aber hierzu am Ende des Artikels mehr Infos. Nun erstmal zurück zur Legalisierungsdebatte.


Was genau wünschen Sie sich in dieser Debatte Frau Ludwig?

“Ich möchte, dass wir wesentlich weniger junge Kiffer haben, die regelmäßig kiffen, weil wir (…) ganz klar wissen, je früher jemand kifft, und je regelmäßiger, umso schädlicher ist es für seine gesundheitliche Entwicklung. Und das müssen wir in die Köpfe bringen und nicht ständig eine Legalisierungsdebatte führen, die letztlich nur zur Konsequenz hat, dass jeder auf der Straße meint Cannabis ist harmlos – Cannabis ist nicht harmlos.”


Frau Ludwig greift das Thema ‘Drug-Checking’ als Möglichkeit auf, um Konsumenten über ihre Drogen und die potenziellen Gefahren zu informieren. 

Und was genau ist dieses Drug-Checking? 

Beim Drug-Checking können Konsumenten zu einer offiziellen Stelle gehen, das kann z. B. auch ein Drogenprüfstand bei einem Technofestival sein, und ihre Drogen auf Wirkstoffgehalt und Zusammensetzung prüfen lassen. Laut Frau Ludwig ist dies insbesondere ein gutes Angebot für Clubgänger, die sich selber nicht als süchtig bezeichnen würde und durch klassische Drogen-Präventionsmaßnahmen nicht erreicht werden. Nutzer können beim Drug-Checking sowohl ihre Drogen überprüfen lassen, als auch bezüglich der Risiken beraten werden. Als Beispiel dafür, dass dies funktionieren kann, führt sie Innsbruck: Dort berät und informiert der Verein Z6 im Rahmen des Drug-Checking über Drogen und deren mögliche Nebenwirkungen. Ein Modellprojekt, das Frau Ludwig auch für Deutschland interessant findet.


Frau Ludwig, sehen Sie sich selber als Cannabis-Gegnerin?

Frau Ludwig betont, dass bei allen Suchtmitteln, ob legal oder illegal, Vorsicht geboten werden muss:  

“Sucht wird es immer geben und es wird auch immer Suchtmittel geben. Die Frage ist nur einfach: wie gehen wir damit um? Muss übermäßig Konsum sein? Nein muss er nicht. Wie schädlich ist er wirklich? Ich möchte, dass die Menschen draußen (…) wissen was sie tun. (…) Es geht mir um einen aufgeklärten Konsum und nicht um die totale Verteufelung und über den Ansatz ‘Über was Illegales reden wir nicht’.“

Einen offenen Dialog und Aufklärung fordert auch Herr Prof. Ullmann im Interview mit Timo…

#2: Von Cannabis zu ‘legalen Drogen’

In der Debatte um Suchtmittel geht es nur selten um die Rolle von Zigaretten oder Alkohol und deren Suchtpotenzial. Aber sind sie weniger relevant, nur weil sie in unserer Gesellschaft besser akzeptiert werden? Herr Prof. Ullmann stellt im Interview mit Timo klar, dass er das anders sieht:

“Ich finde es (…) ignorant zu sagen: Zigaretten, Nikotin, Tabak und Alkohol sind eine andere Geschichte, weil das ja kulturell in unserer Gesellschaft immer vorhanden war. Es gibt auch andere Gesellschaften, wo Cannabis beispielsweise kulturell schon immer existiert hat.”


Er weist auf das hohe Suchtpotenzial von Drogen hin, die für den Großteil der Gesellschaft als alltagstauglich angesehen werden: “Man kann von Alkohol suchtkrank werden, man kann von Zigaretten suchtkrank werden. Es gibt Folgeerkrankungen beim Alkohol, mit Leberzirrhose, beim Rauchen kann man Krebs entwickeln, Gefäße können verkalken und beim Cannabis genauso Abhängigkeiten entstehen, genau so wie bei chemischen Drogen.” 

#3: Aufklärung und Selbstbestimmung

Was können wir denn für einen aufgeklärten Umgang mit Drogen tun Herr Ullmann?

Gesundheitskompetenz stärken ist hier das Stichwort! Gesundheitskompetenz fängt laut Prof. Ullmann im Kindesalter an; deshalb müsse man schon in jungen Jahren die Gesundheitskompetenz von Kindern und Jugendlichen stärken.

“Wenn man weiß was für eine Schädigung da ist und wenn man bei Verstand ist (…), dann traue ich dem Menschen viel zu, dass er selbst entscheiden kann was er will. (…) Wissen hilft und deswegen ist Gesundheitskompetenz etwas ganz wichtiges.”

Prof. Ullmanns Idee Gesundheitskompetenz zu schaffen scheint hier ein Schritt in die richtige Richtung. Aber was kann die Politik sonst noch tun? Kann die Politik überhaupt was tun? Über dieses Thema und über den Einstieg in die Drogenwelt hat sich Frederike mit Enrico unterhalten, einem Crystal Meth-Aussteiger.

#4: Wenn Drogenkonsum zum Alltag wird

Für Enrico begann das Experimentieren mit Drogen mit seinem Job in der Clubszene. Er arbeitete in der Logistik; war vor Partys für den Aufbau verantwortlich, feierte dann bei Partys mit und baute anschließend wieder ab. Um effektiv arbeiten zu können und wach zu bleiben begann er Amphetamine zu nehmen und war schließlich von Crystal Meth abhängig. Er habe zwischenzeitlich auch andere Drogen sporadisch ausprobiert, diese haben ihm aber nicht gefallen, da sie nicht ‘gesellschaftsfähig’ seien. Crystal Meth habe ihm geholfen die langen Schichten wach zu bleiben und weiterhin seinen Job ausüben zu können.


Doch warum hörte er auf zu konsumieren? 

“Es gibt im Endeffekt nur wenige Sachen, die einen von einer Droge wegholen können oder die einem zeigen ‘Es ist nicht toll’. (…) Irgendwas muss wichtiger sein als diese Droge, was nicht kompatibel ist mit der Droge.”

Für Enrico war das seine Beziehung zu seiner Freundin, die ihn dazu gebracht hat eine Reha zu machen.


Enrico, wird denn genug dafür getan, um Menschen von Drogen weg zu bringen?

Enrico sieht hier nicht die Politik in der Schuld:

“Man kann es nicht ändern, deshalb kann ich nicht sagen: ‘Die machen nicht genug’. (…) Wenn die Leute nicht wollen, wollen sie nicht. Da kann man für zig Milliarden irgendwelche komischen Programme ins Leben rufen – aber das bringt nichts, wenn keiner auf dem Stuhl sitzt und zuhört.”


Ein Abschlussstatement, das deutlich zeigt, wie unterschiedlich die Positionen gegenüber einer (nicht) wirksamen Drogenpolitik sind. In der Debatte um die Legalisierung von Cannabis und Präventionskampagnen sowie Unterstützungsangebote für Drogenabhängige gibt es viele verschiedene Meinungen; jedem gerecht zu werden ist hier schwierig. Wie schwierig es ist und wie emotional das Thema behaftet ist, zeigen uns auch die Reaktionen auf Timo’s Tweet auf Twitter: 

#5: Ein offener Dialog vs. Stigmatisierung: Vereinbar miteinander?

Eine Frage, die Timo im Zuge dieser Debatte interessierte:

Hier ein paar Antworten, die klar machen, dass noch viel Spielraum für einen offenen Dialog gibt: 


“Bei der aktuellen Stigmatisierung und Diskriminierung rate ich jedem davon ab, der seinen Führerschein und Job behalten will, sich mit seinem Drogenkonsum in der Öffentlichkeit zu zeigen.”


“Klar, bin total geil darauf mich nochmal stalken und bedrohen zu lassen.”


“Ist die Frage tatsächlich ernst gemeint? Weil Cannabiskonsumenten harte Repressionen fürchten müssen! Einmal die rechtliche Seite, auf der anderen Seite die Stigmatisierung durch die Gesellschaft.”


Wie aber ist ein Austausch mit allen relevanten Parteien möglich, wenn Cannabis-Konsumenten immer noch Angst vor Stigmatisierung und Kriminalisierung in der Gesellschaft bis hin zur Ausgrenzung haben? Fakt ist: eine ‘Verteufelung’, wie auch Frau Ludwig ganz deutlich sagt, bringt niemandem was. Es ist wichtig, in einen offenen Dialog zu treten und einander zuzuhören. Prof. Ullmanns Ansatz Gesundheitskompetenz zu schaffen und so zu einem aufgeklärten Konsum beizutragen, könnte aber zumindest ein Schritt in die richtige Richtung sein.

Ihr wollt mehr über das Thema erfahren und mehr zu Timo’s und Frederike’s Meinungen zu dem Thema erfahren? Dann einfach reinhören:


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Natalie Kafi

Ich habe einen M.Sc. in Public Health und arbeite als medizinische wissenschaftliche Mitarbeiterin bei BetterDoc in Köln.

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