Herausforderung #Green: Neue Ansätze für ein nachhaltiges Gesundheitswesen

Noch vor wenigen Wochen wurde auf der Weltklimakonferenz in Scharm El-Scheich über neue Zielsetzungen im Bereich Nachhaltigkeit und fossile Energien verhandelt. Insbesondere der europäischen Politik scheint klar zu sein: Langfristig kann dem Klimawandel nur eine radikale Umstrukturierung Einhalt gebieten. 

Dies gilt auch und insbesondere für die Gesundheitsbranche. Für mehr als 5 Prozent der derzeit ausgestoßenen Treibhausgasemissionen in Deutschland ist das Gesundheitswesen verantwortlich – das ist mehr als die deutsche Schiff- oder Luftfahrt. Egal, ob Energienutzung, Wasserverbrauch oder die in Krankenhäusern produzierten Abfallmengen: Ein zukunftsfähiges und damit nachhaltiges Gesundheitswesen sieht anders aus. 

Grafik von Flying Health mit vier Ansätzen für ein nachhaltiges Gesundheitssystem

Wie kann man Nachhaltigkeitsziele auch im deutschen Gesundheitswesen umsetzen? 

Aller Anfang ist schwer – dies gilt insbesondere beim Thema Nachhaltigkeit, das für die meisten Akteure des deutschen Gesundheitswesens noch Neuland darstellt. Netzwerkwerkbildung kann eine besondere Rolle zukommen, wenn es um die ersten Schritte in Richtung Green geht. Sei es, um Erfolge und Misserfolge zu teilen, Best Practices zu evaluieren, gemeinsam politischen Druck aufbauen zu können oder Partnerschaften zu schließen. Erste Green-Health Pioniere aus dem Flying Health Ökosystem machen vor, wie der neue Standard in puncto grüne Gesundheitsversorgung zukünftig aussehen könnte:

GreenTec Dialysis: Grüne Technologien für nachhaltige Dialysezentren

In Deutschland gibt es etwa 80.000 Dialysepatient*innen. Für ihre Behandlungen werden jeden Tag über 12 Millionen Liter frisches Trinkwasser benötigt. Dies entspricht dem Inhalt von fünf olympischen Schwimmbecken. Der tägliche Strombedarf aller Dialysezentren ist vergleichbar mit dem Verbrauch einer mittelgroßen Stadt wie Greifswald oder Friedrichshafen mit knapp 60.000 Einwohner*innen. Die jährlichen Kosten für 100.000 MWh betragen 30 Millionen Euro.

Das in Heidelberg ansässige Green-Health-Startup GreenTec Dialysis hat es sich zur Aufgabe gemacht, Dialysezentren energieeffizient und nachhaltig zu gestalten. Von neuen Konzepten zur Einsparung von Trinkwasser bis hin zum Einsatz von Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen – das Unternehmen ermöglicht es Dialysezentren mittels neuer Konzepte wertvolle Ressourcen einzusparen und dabei technologisch aufzurüsten. Erst im Oktober stellte das Unternehmen den gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) entwickelten weltweit ersten CO2-Rechner für Dialysezentren vor. Der softwarebasierte Calculator ermöglicht eine flächendeckende Bestimmung des CO2-Footprints von Dialysezentren, die bestehende Datenlücken im Hinblick auf CO2-Emissionen schließen und somit als Grundlage für die übergreifende Identifikation von Einsparpotentialen und den Einsatz nachhaltiger Technologien im Bereich Dialyse genutzt werden kann.

Sana Kliniken: Chief Sustainability Officer für Green Hospitals

Krankenhäuser gehören mit einer Gesamtmenge von mehr als einer Million Tonnen Abfall pro Jahr zu den großen Müllproduzenten Deutschlands. Pro Patient*in fällt jährlich etwa eine Tonne Abfall in einem Krankenhaus der Regelversorgung an. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Abfälle setzt sich aus einem breiten Spektrum an infektiösen Materialien, gefährlichen Chemikalien und spitzen Einweginstrumenten zusammen. Aufgrund der strengen Hygienevorschriften und starren Prozessen lässt sich das Abfallaufkommen in ambulanten, wie stationären Versorgungseinrichtungen nur schwer eindämmen. Wie kann der Krankenhausalltag trotzdem nachhaltig gestaltet werden?

Als eine der ersten Klinikgruppen in Deutschland haben die Sana Kliniken einen Chief Sustainability Officer u.a. auf diese Frage angesetzt und das Thema Nachhaltigkeit damit auf Management-Ebene gehoben. Auch wenn das Berufsbild gerade im Klinikkontext neuartig erscheint, so ist die Mission eines Chief Sustainability Officers doch klar definiert: Nachhaltige Strukturen und Konzepte identifizieren und diese effizient und ressourcenschonend in den eigenen Häusern verankern. Neben dem Abfallaufkommen geraten dabei auch andere Bereiche des Klinikalltags in den Blick. Ob Speisenversorgung, Einkauf, Logistik oder Mobilität – sie alle bieten Potential für das nachhaltige Einsparen von Ressourcen. Durch eine übergreifende Strategie will die Sana Kliniken AG diese Bereiche in einem umfassenden Konzept für mehr Nachhaltigkeit bündeln. Der bestehende regulatorische Rahmen für neue Nachhaltigkeitskonzepte in Krankenhäusern entfaltet hierbei jedoch immer noch eine Bremswirkung für viele Kliniken.

Siemens Healthineers: Medizintechnik neues Leben einhauchen

Moderne und zuverlässige medizinische Systeme sind ein entscheidender Faktor für die Versorgungsqualität in stationären wie ambulanten Einrichtungen. Ihre Herstellung benötigt nicht nur enormen Innovationsgeist, sondern auch jede Menge Zeit und Ressourcen. Die effektive Nutzungsdauer der Systeme sinkt jedoch rapide – Häufig müssen Versorger schon nach wenigen Jahren ihre aktuell genutzten Systeme ersetzen oder umfangreichen Updates unterziehen, um dem medizinischen wie technischen Fortschritt gerecht zu werden und eine optimale Versorgung ihrer Patient*innen sicherzustellen. Am Ende dieser Prozesse steht eine ungeahnte Menge an medizintechnischer „Ausschussware“, die einer ungewissen Zukunft entgegenblickt.

Siemens Healthineers möchte diesen Geräten neues Leben einhauchen. Im Rahmen seines Nachhaltigkeitsprogramms kauft das Unternehmen eigene Geräte von ihren Nutzerinnen und Nutzern zurück, unterzieht sie einer Generalüberholung und bringt sie kostengünstiger wieder auf den Markt. Viele der im Altgerät verwendeten Bauteile und Materialien können ein weiteres Mal genutzt werden – entweder im selben Gerät, das für einen neuen Kunden aufgearbeitet wird, oder in anderen Systemen. Das ist nicht nur ressourcenschonend, sondern ermöglicht auch weniger kaufkraftstarken Regionen den Zugang zu erschwinglichen Top-Systemen. So trugen von Healthineers renovierte Computertomographen bereits dazu bei, die Notfallversorgung in Krankenhäusern zu verbessern und eine umfassende Versorgung von Unfallpatient*innen zu ermöglichen.

Green ist das neue digital

Ähnlich wie die vor wenigen Jahren beginnende Digitalisierungswelle, wird die Nachhaltigkeitsbewegung das Gesundheitswesen tiefgreifend verändern und zu einem festen Bestandteil der Gesundheitsversorgung der Zukunft werden. Neue Akteure, Märkte, Geschäftsmodelle und regulatorische Rahmenbedingungen werden an bewährten Strukturen und Prozessen rütteln und diese neu justieren. Wo heute noch über Rabattverträge mit ESG-Verknüpfung diskutiert wird, werden binnen kürzester Zeit umfassende gesetzliche Grundlagen für eine nachhaltige Versorgung geschaffen, um das Ziel von net-zero bis 2045 erreichen zu können. 

Für Krankenhäuser und Praxen bedeutet dies, Nachhaltigkeit schon bald als entscheidenden Faktor in ihre Bedarfsplanung, Vergütung und Behandlungsentscheidungen einkalkulieren zu müssen. Doch nicht nur Versorger müssen grüner werden: Auch der Erfolg von Pharmazie, Versicherungswesen und Lieferanten wird sich in Zukunft an ihrer Nachhaltigkeit messen lassen. „Green“ AMNOG, grüne Versicherungspolicen sowie nachhaltigkeitsbezogene regulatorische Prämien und Strafzahlungen sind nur einige Beispiele, die die bevorstehende Zeitenwende einläuten könnten. Akteure stehen dabei schon heute unter Handlungsdruck – denn wer zu spät kommt, hat mit hohen Verlusten für das eigene Unternehmen zu rechnen. Zeitgleich, zeigen die schon heute aktiven Green-Pioniere der Gesundheitslandschaft, welche Potentiale in nachhaltigen Strukturen schlummern und warum sich ein grüner Fußabdruck schon jetzt lohnen kann.

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Lisa Murche

Lisa Murche ist Communications & PR Managerin bei Flying Health. Sie war bereits in mehreren Unternehmen als Kommunikationsexpertin rund um die Themen Gesundheit, Digitalisierung und Innovation tätig. Dabei kann sie sowohl auf Erfahrungen in etablierten Unternehmen, als auch bei Company Buildern und Startups aus dem Feld der digitalen Gesundheit zurückblicken. Bei Flying Health verantwortet sie die externe Kommunikation, strategische Pressearbeit sowie die Bereiche Event und Social Media.

Maria Meyer ist als Werkstudentin bei Flying Health tätig, wo sie das Team bei allen Anliegen rund um das Thema digitale Gesundheit unterstützt. Während ihres Bachelor-Studiums an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg konnte sie sich bereits einen breiten Überblick über das Feld der Gesundheitswissenschaften verschaffen. Aktuell absolviert Maria ihren Master im Bereich Public Health an der Charité Berlin.

Maria Meyer

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