Klimaschutz = Gesundheitsschutz?!

Der Klimawandel ist eine riesige Herausforderung, vielleicht sogar die größte unserer Zeit. Das wurde durch viele Studien belegt und sollte nicht bestritten werden. In Deutschland macht sich der globale Klimawandel seit einigen Jahren bemerkbar, denn es werden sowohl heißere Sommer als auch mildere Winter verzeichnet. 

Der Mensch hat den Klimawandel verursacht und ist somit verantwortlich für die Erwärmung der Atmosphäre, der Ozeane und der Landflächen. Diese klimatische Entwicklung verursacht bereits heute viele Klima- und Wetterextreme, wie Hitzewellen, Starkniederschläge, Dürren und tropische Wirbelstürme auf der ganzen Erde. Es wird erwartet, dass sich dieses Phänomen in der Zukunft weiter verstärken wird. 

Der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) trifft folgende Aussage:

Viele Veränderungen im Klimasystem werden in unmittelbarem Zusammenhang mit der zunehmenden globalen Erwärmung größer. Dazu gehören die Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Hitzeextremen, marinen Hitzewellen und Starkniederschlägen, landwirtschaftlichen und ökologischen Dürren in einigen Regionen, der Anteil heftiger tropischer Wirbelstürme sowie Rückgänge des arktischen Meereises, von Schneebedeckung und Permafrost. 1

Es wird davon ausgegangen, dass in Zukunft voraussichtlich große Teile des Planeten für den Menschen unbewohnbar sein werden – bei gleichzeitig wachsender Bevölkerung. 1

Doch was hat das mit unserer Gesundheit zu tun?

Direkte und indirekte Auswirkungen auf unsere Gesundheit

Auch wenn in der breiten Öffentlichkeit der Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und Gesundheit wenig diskutiert wird, zeigen einige Studien, dass der Klimawandel eine reale Gefahr für unsere Gesundheit darstellt. 

Es gibt sowohl direkte als auch indirekte Auswirkungen auf die Gesundheit. Direkte Auswirkungen sind unmittelbare Veränderungen der regionalen Lebensbedingungen. Hierzu zählen beispielsweise: 

  • Vermehrte Hitzewellen
  • Häufigere und/oder ungewohnt heftige Unwetter, Stürme, Niederschläge bzw. Überschwemmungen
  • Erhöhte UV-Strahlung

Doch wie wirken sich diese unmittelbaren Veränderungen der Lebensbedingungen auf den Gesundheitszustand aus? 

Übermäßige Hitze kann zu Hitzeerschöpfung oder zu einem Hitzschlag führen. Das bedeutet es können Symptome wie Erschöpfung, Fieber, Durchfall und Erbrechen auftreten. 

Die UV-Strahlung wirkt auf die Haut und auf die Augen. Durch eine Erhöhung der UV-Strahlung können vermehrt Augenentzündungen und Sonnenbrand auftreten. Langfristig kann eine erhöhte UV-Strahlung sogar zu Krebserkrankungen führen. 

Zu den indirekten Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit gehören zum Beispiel1

  • Verlängerung der Pollenflugsaison und verändertes Allergenspektrum, wodurch vermehrt und über einen längeren Zeitraum Allergien auftreten
  • Belastung der Atemwege durch höheren Anteil an Luftschadstoffen, wie Ozon und Feinstaub
  • Mangelnde Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene sowie deren Knappheit können zu einer Ausbreitung von Krankheitserregern bis hin zu Epidemien als auch Unterernährung führen
  • Eine schlechtere Badewasserqualität steigert ebenfalls das Risiko für Epidemien 
  • Veränderte Umweltbedingungen, wie bspw. Überflutungen durch den Anstieg des Meeresspiegels, können die Ausbreitung von tierischen Zwischenwirten und Krankheitsüberträgern begünstigen und steigern das Risiko für (neuartige) Infektionserkrankungen 
  • Sozioökonomische Verwerfungen, soziale Konflikte und Migrationsprozesse können bereits bestehende Gesundheitssysteme destabilisieren 

Diese Auswirkungen sind heute schon spürbar, blickt man nur auf die Aneinanderreihung von Hitze-Rekordjahren und den Anstieg der globalen Mitteltemperatur. (s. Abbildung)

Abbildung: Anstieg globale Mitteltemperatur © NASA, GISS 2

Klimawandel als Verstärker vorhandener Gesundheitsrisiken

Viele Studien zeigen, dass der Klimawandel zusätzlich als Verstärker von bereits vorhandenen und ungleich verteilten Gesundheitsrisiken wie Armut, Hunger, Unterernährung aber auch mangelnder Bildung, Flucht und Vertreibung wirkt. 

Es kann davon ausgegangen werden, dass mit dem Fortschreiten der Erderwärmung die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens auf die Probe gestellt wird. Der menschliche Organismus ist nur begrenzt anpassungsfähig und deshalb nicht dazu in der Lage, alle Auswirkungen vollständig zu bewältigen.

Co-Benefits

Spannend ist auch, dass sich viele Klimaschutzmaßnahmen positiv auf die Gesundheit auswirken können. Die Dekarbonisierung des Energie-, Industrie- und Verkehrssektors führt zu sauberer Luft. Zusätzlich führt ein verändertes Mobilitätsverhalten (zum Beispiel Fahrrad statt Auto) zu einem aktiveren und gesünderen Lebensstil. Und auch eine klimakompatible Ernährung und Landwirtschaft hat viele Vorteile für die Gesundheit. Eine ökologische und regionale Lebensmittelproduktion mit weniger Tierhaltung und mehr Obst und Gemüse beugt kardiovaskuläre Erkrankungen, Atemwegserkrankungen sowie Diabetes mellitus vor. 3

Viele unserer Lebensstile (Konsum und Produktionsmuster) sind Ursache des menschengemachten Klimawandels und tragen zugleich zu einer Vielzahl chronischer Krankheiten bei. Konsequenter Klimaschutz ist daher präventiver Gesundheitsschutz. 3 – Dieter Lehmkuhl, Arzt für Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie 

Auf dem UN-Klimagipfel 2015 in Paris wurde die Übereinkunft getroffen, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius, möglichst sogar auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, um die Folgen des Klimawandels einzudämmen. Soll das 1,5-Grad-Ziel erreicht werden, müssen weltweit die Klimaschutzbemühungen verstärkt werden. 2

Wollen wir unsere Gesundheit schützen, müssen wir das Klima schützen! 

Wie das Gesundheitswesen hierzu einen Beitrag leisten kann, erfahrt Ihr im nächsten Blogartikel, der in Kürze erscheint. 

Nur lesen reicht Euch nicht? Dann nehmt am 19. November um 18:00 Uhr am Live-Stream von #Gesundheit zu Klimawandel & Gesundheitsschutz teil!

Quellenangaben (zuletzt abgerufen am 25.10.2021):

1 Vgl. RKI (2010): Klimawandel und Gesundheit, Ein Sachstandsbericht

DKK (2020): Was wir heute übers Klima wissen – Basisfakten zum Klimawandel, die in der Wissenschaft unumstritten sind. Hrsg.: Deutsches Klima-Konsortium, Deutsche Meteorologische Gesellschaft, Deutscher Wetterdienst, Extremwetterkongress Hamburg, Helmholtz-Klima-Initiative, September 2020, https://www.deutsches-klima-konsortium.de/fileadmin/user_upload/pdfs/Publikationen_DKK/basisfakten-klimawandel.pdf

3 Lehmkuhl, Dieter (2019): Das Thema Klimawandel und seine Bedeutung im Gesundheitssektor: Entwicklung, Akteure, Meilensteine

Müller, Olaf/ Jahn, Albrecht/ Gabrysch, Sabine (2018): Planetary Health: Ein umfassendes Gesundheitskonzept, Link: https://www.aerzteblatt.de/archiv/201358/Planetary-Health-Ein-umfassendes-Gesundheitskonzept

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Moana Hösch

Moana Hösch ist seit Mai 2021 Mitglied von Hashtag Gesundheit. Ihr Interesse am Gesundheitswesens wurde während eines Freiwilligendienstes in einem südamerikanischen Altenheim geweckt. Aktuell studiert Moana Gesundheitsökonomie an der Hochschule Ravensburg-Weingarten und interessiert sich schwerpunktmäßig für die digitalen Möglichkeiten zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und des gesamten Gesundheitswesens. Neben der Digitalisierung engagiert sie sich insbesondere im Bereich der Nachhaltigkeit im und auch außerhalb des Gesundheitswesens.

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