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Deutschland sucht die Superkrankenkasse (1/2)

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In 2 Wochen werde ich 25 Jahre alt. Das gilt es zu feiern! Vorher muss ich mich aber vorher noch für eine Krankenkasse entscheiden. Warum ist das eigentlich so? Aus welchen Krankenkassen kann ich auswählen? Und nach welchen Kriterien wähle ich die für mich beste Krankenkasse aus? Nicht nur ich stehe vor dieser Wahl. Jeder Versicherte hat die Chance zu wechseln – und sollte diese Chance auch nutzen! Der erste Teil dieses Artikels klärt darüber auf, welche Kriterien bei der Wahl einer (neuen) Krankenkasse entscheidend sind. Im zweiten Teil gebe ich meine Entscheidung bekannt und gehe detailliert auf meine persönlichen Beweggründe ein.

1) Gesetzlich oder privat?

Zum Stichtag 01.01.2018 gab es 112 gesetzliche Krankenkassen in Deutschland. Der Wettbewerb hat in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass sich diese Zahl durch Fusionen und Schließungen drastisch verringert hat. Dennoch habe ich die Qual der Wahl, und muss mich im Krankenkassen-Dschungel zwischen mittlerweile 110 gesetzlichen Krankenkassen entscheiden. Warum eigentlich gesetzlich und nicht privat? Ein kleiner Exkurs.

Gesetzlich: Solidaritätsprinzip

Einer für alle, alle für einen! So könnte man den Grundsatz der Gesetzlichen Krankenversicherung beschreiben. Die gesetzlichen Krankenkassen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und sind dazu verpflichtet „die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern.” Ein wesentlicher Grundsatz ist das Solidaritätsprinzip.

Privat: Rückstellungen

Die private Krankenversicherung ist eine vertragliche Versicherung mit individuellen Rückstellungen für das eigene Risiko. Die Leistungen und Prämien orientieren sich an deinem persönlichen Tarif. Anders als in der GKV werden zu Beginn Gesundheitsdaten abgefragt und in die Berechnung der Prämie einbezogen. Der Wechsel ist Wesentlicher Vorteil: Eine hohe Servicequalität. Nachteile: keine Familienversicherung und die finanzielle Abhängigkeit von Aktiengesellschaften.

Wie 90% der deutschen Bürger entscheide ich mich für die gesetzliche Krankenversicherung. Eine wirkliche Entscheidungsfreiheit gibt es hier natürlich nicht, da für den Wechsel in eine PKV grundsätzlich ein Jahreseinkommen in der Höhe von 59.400€ (2018) notwendig ist. Als eingeschriebener Student wäre für mich auch der Abschluss des Basistarifs einer privaten Krankenversicherung möglich. Nicht nur mein Bauchgefühl, auch meine Erfahrungen in den USA zeigen mir, dass private Krankenversicherungen gesunde Menschen bevorzugen und kranke Menschen zu Unrecht benachteiligt. Als Befürworter des Solidaritätsprinzips ist für mich die Wahl der Gesetzlichen Krankenversicherung also eine Selbstverständlichkeit.

2) Aus welchen und aus wievielen Krankenkassen kann ich auswählen? Eine Übersicht.

Einige Krankenkassen agieren bundesweit, manche sind ausschließlich regional tätig und andere sind nur betriebsbezogen geöffnet. Ich orientiere mich für die Auswahl an der Krankenkassenliste des GKV-Spitzenverbandes. Die 28 nur betriebsbezogenen Krankenkassen fallen beispielsweise aus meiner Suche raus. Je nachdem wo ich aktuell wohne, fallen auch viele regional tätige Krankenkassen weg. Diese beiden Filter grenzen die Auswahl also schon auf die 37 bundesweit geöffneten Krankenkassen und meine jeweiligen regionalen Krankenkassen ein. Um meine Entscheidung nicht nach dem Zufallsprinzip treffen zu müssen schaue ich mir im nächsten Schritt drei Kriterien an.

  • AOK
  • BKK
  • Ersatzkassen
  • Innungskrankenkassen
  • Knappschaft
Die Grafik fasst die 110 gesetzlichen Krankenkassen in Kassengruppen zusammen und zeigt die Anzahl versicherter Personen (in Millionen) an.

3) Was macht für mich persönlich eine gute Krankenkasse aus? Das sind meine 3 Entscheidungskriterien.

Zusatzbeiträge

Der Beitragssatz für die Gesetzliche Krankenversicherung beträgt grundsätzlich 14,6 % vom Einkommen und hälftig durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen. Zur Zeit wird ein Zusatzbeitrag erhoben. Dieser soll a) Versicherte dazu motivieren zu wechseln und b) die Krankenkassen zu einem effizienten Umgang mit Beitragseinnahmen bewegen. Er liegt bei durchschnittlich 1,0 % und variiert zwischen 0,6 % und 1,7 %. Die Aufhebung ist durch das Versicherungsentlastungsgesetz für 2019 geplant. Die Zusatzbeiträge aller Krankenkassen können ebenfalls auf der Seite des GKV-Spitzenverbandes eingesehen werden.

Zusatzleistungen

Der Leistungskatalog aller Gesetzlichen Krankenkassen ist zum Großteil einheitlich. Ganz anders als in den USA, wo private Versicherungen ihre Verträge nach den individuellen Wünschen des Versicherten maßschneidern. Mit Satzungsleistungen können auch gesetzliche Krankenkassen ihr Leistungsspektrum erweitern und individuellen Wünschen ihrer Versicherten entsprechen. Die Erstattung der Homöopathie ist ein Beispiel für eine besonders umstrittene Satzungsleistung. Zu den Satzungsleistungen kann aber auch das Angebot einer elektronischen Gesundheitsakte zählen, welche mich besonders ansprechen. Hier sind vor allem Vivy, TK-Safe und das AOK Gesundheitsnetzwerk zu nennen.

Service

Neben dem Zusatzbeitrag und den Leistungen einer Krankenkasse ist für mich vor allem der Service ein wichtiges Entscheidungskriterium. Dazu zählt schon lange nicht mehr nur das Tagesgeschäft in den Filialen, sondern auch die Angebote von Service-Apps mit Chatfunktion, transparenten Patientenquittungen oder einem Terminservice für Arzttermine. Ich persönlich finde es außerdem sehr angenehm, wenn eine Krankenkasse – und auch ihre Mitarbeiter – in den sozialen Medien vertreten sind und unkonventionell auf Fragen und aktuelle politische Themen reagiert. Das macht sie für mich nahbar und sympathisch. Als Indikator für den Service einer Krankenkasse können außerdem Mitglieder- und Versichertenbefragungen nützlich sein.

4) Es gibt noch viel mehr Kriterien…

Vor dem Beginn meiner Recherche habe ich auf Twitter eine Umfrage gestartet, die noch viel mehr Kriterien aufgedeckt hat, als ich es erahnt habe. Im folgenden fasse ich die Kommentare unter dem Tweet kurz zusammen. Diese können natürlich auch gerne nachgelesen werden. Viel Spaß!

Zu meinem Tweet meldeten sich 12 Personen zu Wort. Zur Ausgabenseite der Krankenkassen kommentiert Psychotherapeutin Birgit Wiegand (@DPBWiegand), die hohe Anforderungen stellt: “keine Finanzierung von Schwurbelei (Anmerkung: hier ist Homöopathie gemeint), Einsparen an teurer Werbung und Printmedien für Mitglieder, Wegfall Bonusprogramme”. Einer ähnlichen Meinung ist auch Eva Schumacher-Wolff (@MammaMiaMagazin), die eine Direktkrankenkasse gewählt hat, um keine unnötigen Strukturen mitfinanzieren zu müssen. Auf der Service-Seite fordert die Ärztin Natascha Schwabauer (@lasstmichdurch) “wesentlich mehr Kommunikation” zwischen Krankenkasse und Versicherten. Soll dieses “Mehr” an Kommunikation analog oder digital stattfinden? “Mensch schlägt Online”, ist hier das Stichwort von Florian Albert (@florianalbert81). Auch Roland Engehausen (@R_Engehausen) und Katrin Edelmann (@Edelfraeulein) stellen die Werte Vertrauen und Mensch in den Mittelpunkt. Schön zu sehen, dass Vertreter der Krankenkassen, hier die IKK Südwest und die Siemens Betriebskrankenkasse, das so sehen, oder nicht?

Was sagt ihr?

Für welche Krankenkasse ich mich nun endgültig entscheide weiß ich selbst noch nicht! Vielleicht habt ihr ja persönliche Erfahrungen und Tipps für mich? Gerne per E-Mail an timo-frank@hashtag-gesundheit.de oder einfach als Kommentar. Im nächsten Teil gebe ich dann meine Entscheidung bekannt.

Timo Frank

Vorstandsvorsitzender

Ich studiere seit April 2017 im Master Gesundheitsökonomie an der Universität Bayreuth. Zuvor schloss ich mein Bachelor-Studium an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden ab und durchlief mit Praktika bei der KPMG AG, der Charité, dem RWI sowie der Oberender AG diverse Stationen in der Gesundheitsbranche. Zur Zeit studiere ich als Visiting Scholar am Fachbereich Health Policy and Management an der University of North Carolina at Chapel Hill. Ich twittere leidenschaftlich gerne und habe Spaß daran, komplexe Sachverhalte einfach darzustellen.

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6 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Vielen Dank für deine Einschätzung, Julia!

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  • Für mich wäre es wichtig, dass ich eine schnelle, qualitativ gute und persönliche Beratung erhalte. Der Service kommt daher an erster Stelle. Natürlich sollte die Krankenkasse auch digitale unterwegs sein und sich nicht davor verschließen. Wie meine Wahl als Krankenkassenmitarbeiterin aussieht, kannst du dir vermutlich denken: SBK 😉

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  • Kathrin Kuntner
    26. September 2018 18:04

    Vielen Dank, dass du dieses Thema ansprichst. Habe damit gerade selber mit zu hadern, und null Plan.

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  • BKK verbundplus :)! Super bei Präventionsleistungen durch Kostenübernahme bei Zahnreinigung, Sport- und Gesundheitskursen (bis zu 300 Euro im Jahr), Vorsorgeuntersuchungen u.v.m. – dazu sehr guter Service und kurze Bearbeitungszeiten. On top: Zusatzbeitrag 2018 gesenkt auf 0,7%.

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