Deutschland sucht die Superkrankenkasse (2/2)

Vor 2 Monaten stand ich vor der Frage: Welche Krankenkasse wähle ich? Die Entscheidung für eine aus etwa 100 gesetzlichen Krankenkassen fiel mir schwerer, als sie es eigentlich ist. Denn große Unterschiede gibt es nicht. Zugegeben, trotz meiner vorab definierten Kriterien Preis, Leistung und Service hat am Ende das Bauchgefühl entschieden. Das hat einen ganz einfachen Grund: Für eine rationale Entscheidung fehlt es in der gesetzlichen Krankenversicherung an Transparenz. Aktuell ist einzig und allein der Preis einer Krankenkasse transparent. Warum ich nicht die günstigste Krankenkasse wähle und für welche ich mich schlussendlich entschieden habe erfahrt ihr am Ende des Artikels.

Fragen über Fragen: Warum nicht die günstigste Krankenkasse?

Nach meinem ersten Artikel wurde ich gefragt warum mir diese Entscheidung denn überhaupt so wichtig sei. Stimmt, warum eigentlich? Prinzipiell könnte ich einfach die preisgünstigste Krankenkasse wählen. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber für mich geht es bei der Wahl einer Krankenkasse um mehr als bei der Wahl eines Stromanbieters. Wenn es um meine Gesundheit möchte ich wissen, dass ich guten Service bekomme, wenn ich ihn brauche. Eine gute und qualitätsorientierte Beratung, unabhängig vom Ort an dem ich mich gerade befinde. Wie finde ich jetzt also heraus wie gut der Service einer Krankenkasse ist? Über die Instagram-Accounts von Krankenkassen? Sicher nicht, da gibt’s maximal Bilder von gesundem Essen und Sportübungen. Erfahrungen von Freunden und Bekannten? Das ist schon vertrauenswürdiger, aber leider sind das auch nur einzelne Meinungen. Also einfach mal anrufen und fragen.

Der steinige Weg: Anrufen und fragen.

“Hallo, ich bin Student und möchte mich bei Ihnen versichern” – so oder so ähnlich klangen meinen Anrufe bei den Service-Telefonen der größten deutschen Krankenkassen. Alle angerufen habe ich nicht. Viele Telefonate dauerten maximal 5 Minuten, andere bis zu 60 Minuten. Einige Krankenkassen schickten mir im Anschluss an das Telefonat direkt den Aufnahmeantrag, das Lastschriftmandat oder Infobroschüren per Mail zu. Andere zeigten Interesse und erkundigten sich nach meinen Erwartungen. Nach den Telefonaten wird mir klar, dass sich am anderen Ende der Leitung oft auch “nur” ein Verkäufer befindet. Die Qualität der Krankenkasse kann ich hier nur höchstens erahnen. Ich frage also mal ein paar Freunde.

Welche Krankenkasse hast Du so?

Eines fällt auf: Die größten bundesweit geöffneten Krankenkassen (BARMER, DAK, TK) sind online omnipräsent. Facebook, Twitter, Instagram. Irgendwie cool, aber Sport- und Ernährungstipps sind für mich noch kein Zeichen für guten Service. Vielleicht ein Pluspunkt um die junge, gesunde Zielgruppe zu erreichen. Dieser Eindruck deckte sich mit den Erfahrungsberichten aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die mir fast ausschließlich genau diese Krankenkassen ans Herz legten – Werbung wirkt! Aber für mich ist Werbung noch kein Qualitätsmerkmal – ich suche alleine weiter.

Was erwarte ich eigentlich?

Es ist paradox. Ich weiß was ich erwarte, kann aber nicht herausfinden welche Krankenkasse diese Erwartungen erfüllt. Am Ende meiner Recherche im Internet, an Service-Telefonen und bei Freunden bin ich nicht wirklich schlauer als am Anfang. Meine Erwartungen: Innovation und Nahbarkeit. Innovation drückt sich für mich durch digitale Versorgungsangebote aus – also die Finanzierung von Apps oder Online-Therapiemöglichkeiten. Vor allem sprechen mich Angebote wie Selfapy, Kaia, Cara und Vivy an. Einige Krankenkassen bieten solche Angebote, andere nicht. Die Nahbarkeit einer Krankenkasse ist für mich ein Zeichen von Transparenz. Das wird zum Beispiel deutlich, wenn der Vorstand einer Krankenkasse die Quartalsberichte auf YouTube präsentiert oder Mitarbeiter mit ihren persönlichen Meinung auf Twitter aktiv sind. Beim Punkt Nahbarkeit machen vor allem die Siemens Betriebskrankenkasse und die IKK Südwest einen guten Job.

Am Ende entscheidet der Bauch

Schlussendlich habe ich mich für die größte Betriebskrankenkasse Deutschlands entschieden. Die SBK ist bundesweit geöffnet, bietet einige (auch wenn es mehr sein könnten) digitale Services an und kommuniziert auf transparente Art und Weise. Ob es die richtige Entscheidung war werde ich noch herausfinden müssen. Der Erstkontakt war schonmal super. Ob ich nach der Frist von 18 Monaten wieder wechseln werde entscheide ich danach, ob die SBK zeitnah eine elektronische Gesundheitsakte und weitere digitale Services anbieten wird. Schließlich gibt es keine “Superkrankenkasse” sondern einen Wettbewerb, in dem jeder Versicherte eigene Entscheidungskriterien hat. Für die Zukunft wünsche ich mir einen Wettbewerb, der die Qualität und den Service aller Krankenkassen hervorhebt.

Viele Grüße,
Timo

Bitte beachte, dass ich weder für meine Entscheidung noch für diesen Artikel eine Gegenleistung erhalte. Meine Entscheidung basierte zum Großteil auf einem Bauchgefühl. Mit dem Artikel möchte ich darauf hinweisen, dass eine Krankenkasse heute mehr bieten kann (und muss) als ein Kundencenter.

Timo Frank

Vorstand

Ich studiere seit April 2017 Gesundheitsökonomie an der Universität Bayreuth. Zuvor schloss ich mein Bachelor-Studium an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden ab und durchlief mit der KPMG AG, der Charité, RWI und der Oberender AG diverse Stationen in der Gesundheitsbranche. Meine fachlichen Interessen liegen insbesondere in den Bereichen Digital Health und Gesundheitspolitik. Zur Zeit studiere ich über ein Austauschprogramm der Universität Bayreuth Health Policy & Management an der University of North Carolina at Chapel Hill. Ich twittere leidenschaftlich gerne und habe Spaß daran, komplexe Sachverhalte einfach darzustellen.

Bildquellen: Smashicons,Vectors Market, Freepik auf www.flaticon.com, Porapak Apichodilok auf www.pexels.com, AOK, SBK, vdek, IKK, BKK und Knappschaft.

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