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Die COVID-Pandemie in Low & Middle Income Countries

3 Kommentare

Quelle Beitragsbild: Nataliya Vaitkevich via Pexels

Ein Blick über den Tellerrand des deutschen Gesundheitswesens

The world was taking positive steps to deliver health for all by 2030 before COVID-19 fundamentally disrupted health systems, societies and economies. In less than a year, the pandemic has eroded the development gains achieved over the past 25 years. 

So die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 6. Oktober 2020. Ein ernüchterndes und alarmierendes Statement. 

Es ist außer Frage, dass die Corona-Pandemie Gesundheitssysteme, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik weltweit vor große Herausforderungen stellt. Im Fokus steht meist die Pandemiebewältigung im eigenen Land. Ich möchte im Folgenden einen Blick über den Tellerrand des deutschen Gesundheitswesens werfen und erörtern, welche Konsequenzen COVID-19 für ärmere Länder, die sogenannten „Low- and middle-income countries (LMICs)“, hat.

Quelle: Nataliya Vaitkevich via Pexels

Die Situation in LMICs vor der COVID-Pandemie

Bereits vor dem Beginn der Corona-Pandemie war die Gesundheitsversorgung in ärmeren Ländern der Welt problematisch: Eine komplexe Krankheitslast („Double burden of disease“), bestehend aus Infektionskrankheiten auf der einen Seite und Lebensstil-basierten Krankheiten auf der anderen, stellt die Gesundheitssysteme in LMICs  vor Herausforderungen.

Millionen von Menschen haben keinen oder nur wenig Zugang zu dringend benötigten Gesundheitsleistungen. Ein hoher Anteil an Gesundheitsausgaben, die aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen, führt außerdem zu finanziellem Risiko – kurz: Von „Universal Health Coverage“, einem Teil der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, ist man zum Teil noch meilenweit entfernt. Dabei wären stabile und mit den nötigen Ressourcen ausgestattete Gesundheitssysteme notwendig, um die Corona-Pandemie kurz- und langfristig zu bewältigen.

Die Konsequenzen der COVID-Pandemie

Wie überall weltweit, hat COVID-19 auch in LMICs direkte Folgen für die Gesundheit in Form von erhöhter Morbidität und Mortalität, jedoch mit dem Unterschied, dass die Gesundheitssysteme in LMICs nicht über die Kapazitäten verfügen, schwere Fälle mit demselben Erfolg wie reichere Länder zu behandeln. 

Neben diesen direkten Folgen bereiten aber vor allem die indirekten Gesundheitsfolgen Grund zur Sorge in LMICs. Essenzielle Routineversorgung, wie beispielsweise Schwangerschaftsvorsorge oder Impfungen, wird von der Bevölkerung vermindert wahrgenommen, was mit hoher Wahrscheinlichkeit enorme Auswirkungen auf die Gesundheit von Müttern und Kindern haben wird. Aufgrund dieser indirekten Folgen wird auch eine überdurchschnittliche Steigerung der Todesfälle erwartet.

Des Weiteren kommt es zu ökonomischen Konsequenzen, darunter Einkommensverluste, Erhöhung der Preise für Nahrungsmittel und Schulschließungen. Laut der Weltbank kann die COVID-19 Pandemie weltweit 40-60 Millionen Menschen in extreme Armut drängen, insbesondere in Subsahara-Afrika. 2

LMICs als ein Problem ohne internationale Relevanz?

COVID-19 has ripped away the bandages from a really old wound that this society has and this is our failure to deliver equitable healthcare. 3

Diese Aussage von Dr. Mark Ryan (WHO) zeigt meiner Meinung nach sehr treffend, was das zugrunde liegende Problem ist.

“Equitable healthcare”, also eine gerechte Gesundheitsversorgung, sollte einen höheren Stellenwert auf der Politikagenda, aber auch in der Gesellschaft, bekommen – das müsste auch das Motto bei der weltweiten Verteilung der COVID-19 Impfstoffe sein. Nach Stand April 2021 werden 85 Länder keinen umfassenden Zugang zu den dringend benötigten Vakzinen bis 2023 haben

Dieser ungerechte Zugang wird die Pandemie verlängern und verzögerte Versorgung weitreichender Teile der Welt mit Impfstoff wird zu zusätzlichem Leiden, Tod, Lockdowns und möglicherweise neuen Virusmutationen führen.

Quelle: Nataliya Vaitkevich via Pexels

Die COVID-19 Pandemie wird erst zu Ende sein, wenn auch die ärmsten Länder der Welt das Virus bekämpft haben. Es liegt in unserer Verantwortung, diesen Ländern bei der Bewältigung der Pandemie zu helfen, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung vor Ort nachhaltig zu unterstützen, und somit dem Ziel „Gesundheit für alle“ endlich den Stellenwert zuzuschreiben, den es verdient. 

Quellenangaben:

World Health Organization (WHO) [Internet]. Responding to COVID-19 and building Stronger health systems for universal health coverage. 2020 [cited 2021 June 06]. Available from https://www.who.int/news-room/feature-stories/detail/responding-to-covid-19-and-building-stronger-health-systems-for-universal-health-coverage

Mahler DG, Lakner C, Castaneda Aguilar RA, WU H [Internet] [World Bank Blogs]. The impact of COVID-19 (Coronavirus) on global poverty: Why Sub-Saharan Africa might be the region hardest hit. 2020 April 20 [cited 2021 June 06]. Available from https://blogs.worldbank.org/opendata/impact-covid-19-coronavirus-global-poverty-why-sub-saharan-africa-might-be-region-hardest

World Health Organization. “It’s not just #COVID19 that is killing people, it’s underprivilege, it’s lack of access, it’s years of living with health conditions that haven’t been properly managed because of the colour of your skin, or your ethnicity, or your social group”[Internet]. 2020 December 28 [cited 2021 June 06]. Available from https://twitter.com/WHO/status/1343476008310206466

The Economist Intelligence Unit [Internet]. The EIU’s latest vaccine rollout forecasts. 2021 April 28 [cited 2021 July 20]. Available from https://www.eiu.com/n/eiu-latest-vaccine-rollout-forecasts/

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Theresa Maurer

Theresa Maurer ist 23 Jahre alt und kommt aus der Nähe von München. 2020 hat sie ihren Bachelor in Management in der Gesundheitswirtschaft an der Technischen Hochschule Rosenheim abgeschlossen und absolviert aktuell den European Master in Health Economics and Management (Eu-HEM) an den Universitäten Rotterdam und Bologna. Ihre Interessenschwerpunkte liegen insbesondere im Bereich “Global Health” und in der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Bei Hashtag Gesundheit unterstützt Theresa das #healthpedia Team.

3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hallo Theresa.
    Danke für das Verfassen dieses Blogs. Es ist wirklich wichtigst zu verstehen, dass wir alle im gleichen Boot sitzen. Coronapandemie betrifft alle Menschen auf der Welt unabhängig von ihrem Einkommen oder dem Status ihres Landes.
    Wir dürfen in diesen schwierigen Zeiten die Hoffnung nicht verlieren.

    Antworten
    • Christopher Vedder
      Christopher Vedder
      2. August 2021 22:06

      Sehe ich auch wie Du Martin – tatsächlich ist die Situation in einigen Ländern etwas in den Hintergrund gerutscht. Vor allem bei einer so großen globalen Katastrophe müssen wir international zusammenhalten und unsere Ressourcen entsprechend verteilen.

      Antworten
    • Theresa Maurer
      3. August 2021 07:37

      Vielen Dank für deinen Kommentar, Martin!
      Ich stimme dir vollkommen zu. Die Corona-Pandemie betrifft wirklich alle auf dieser Welt – und genau deshalb wird sie auch erst zu Ende sein, wenn alle Länder sie erfolgreich bekämpft haben.

      Antworten

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