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Die PJlerin | Überlebenstipps für den Operationssaal

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Das erste PJ-Tertial in der Chirurgie ist nun seit einigen Wochen vorbei. Durch meine Rotationen waren es vier sehr abwechslungsreiche Monate. Der Nachteil: Immer wenn ich mich gerade eingearbeitet hatte, war es quasi schon wieder der letzte Tag. Ein Kompromiss, den man eingehen muss, wenn man möglichst viele Abteilungen sehen möchte. Insgesamt bin ich aber zufrieden mit der Ausbildung, die ich bisher bekommen habe. Vor allem: Die Tage an denen ich nicht in den OP konnte, kann ich an einer Hand abzählen – die praktische Ausbildung hatte ihren Namen also wirklich verdient. Dabei sind die Lernziele für das Chirurgietertial auch klar gesteckt. Meine Universität hat ein Logbuch vorgegeben, in dem festgehalten ist, welche Maßnahmen ich als Studentin entweder gesehen oder selber durchgeführt haben soll. Dazu gehören unter anderem Wundnähte, Verbandswechsel, grundlegende Interpretation verschiedener Bildgebung, Einschätzung von Patienten und natürlich die Assistenz bei Operationen (oder auch „Hakenhalten“).

Für alle, die noch nie einen OP-Saal von innen gesehen haben, aber das vielleicht bald ändern, gibt es hier einen kleinen Survival-Guide. Für euch persönlich von mir getestet.

8:00 Uhr

Hochbetrieb im OP-Trakt. In allen Sälen herrscht reges Treiben: Patienten werden über die Gänge geschoben, Geräte über die Flure getragen, es wird intubiert, telefoniert und irgendwo piepst was. Willkommen im Mikrokosmos Zentral-OP. Die Wände sind gekachelt und die meisten Räume fensterlos. Grelles Neonlicht ersetzt jeden potentiellen Sonnenstrahl. Moment mal! Oder ist es doch schon 8:00 Uhr am Abend?!

1. Es ist nicht einfach um 6:00 Uhr morgens zu frühstücken. Tu es trotzdem.

Krankenhaustage sind lang und in der Chirurgie eher noch länger. Tu deinem Blutzucker den Gefallen und frühstücke morgens, denn du hast keine Garantie auf ein Mittagessen. Wenn du zu gar nichts kommst, dann trink wenigstens genug Wasser. Den Flüssigkeitsbedarf nur über Kaffee zu decken ist definitiv nicht die beste Idee. Davon wird man leider nicht wacher, sondern irgendwann nur noch zittrig.

2. Stell dich jedem vor. Zur Sicherheit zweimal.

Gar nicht so leicht den Überblick über alle KollegInnen zu behalten, da bei jeder Operation im Saal durchschnittlich AnästhesistIn, Anästhesie-Pflege, instrumentierende/r OTA, Springer, OperateurIn, AssistentIn und ein/e PatientIn anwesend sind. Das ist nur die Mindestbesetzung! SchülerInnen, PraktikantInnen und zusätzliche AssistentInnen sind da dabei noch gar nicht mitgezählt. Zudem trage alle die gleiche Bereichskleidung und sind mit Mundschutz und Haube höchstens noch an der Augenfarbe und den Schuhen zu unterscheiden. Eine kleine Herausforderung also. Stell dich bei den Leuten vor, auch wenn du dir nicht mehr sicher bist, ob du das schon getan hast. Bei vielen wirst du das mindestens zweimal tun, außer bei einer OTA, die du leider vergisst. Und die wird dich hassen.

3. Jeder wird mal schwach.

Meine Tipps für langes Stehen im OP-Saal: viel Wasser, die richtige Dosis Zucker, wenige Schichten (es wird eher zu warm als zu kalt) und wenn gar nichts mehr hilft: Kompressionsstrümpfe. Wenn die Kombination aus Adrenalin, Elektrokautergeruch und stickiger Luft unter dem Mundschutz doch zu viel wird und dein Kreislauf langsam aber sicher aufgibt: Bescheid geben, auf den Boden setzen, atmen und ein paar mitleidige Blicke und Kommentare ernten. Das ist den Meisten schon passiert und wird mit der Zeit besser.

4. Fass nichts an (außer es wird dir gesagt).

Echt jetzt. Entweder machst du etwas unsteril, dass steril bleiben sollte oder du machst dich selber unsteril. Umgekehrt ist das leider nicht möglich. Halte dich vom Instrumententisch und dem OP-Bereich fern, wenn du selber nicht gerade einen OP-Kittel trägst. Wenn du einen trägst, dann halte dich einfach von allem anderen fern: Wänden, Anästhesisten, klingelnden Telefonen und Oberflächen aller Art, die nicht mit grünen oder blauen Tüchern bedeckt sind. Die Ausnahme: Dir wird gesagt, dass du etwas Bestimmtes halten sollst. Dann tu es. Und zwar schnell!

5. Stell Fragen.

Wenn du wie ich der Typ „konzentrierter Schweiger“ bist: mein Beileid. Schweigen wird leider oft als Desinteresse interpretiert, also sei aufmerksam und frag nach, wenn du etwas nicht verstehst oder noch nicht kennst. Die meisten Menschen sind gerne dazu bereit dem potentiellen fachlichen Nachwuchs möglichst viel zu erklären. Andererseits kann es während einer Operation auch immer wieder zu kritischeren Situationen kommen, in der man besser ruhig sein sollte. Wenn man in so einer Situation darauf hingewiesen, dass Schweigen jetzt angebracht wäre, dann halte dich daran.

Klar soweit? Dann kann es ja losgehen mit der Famulatur oder dem Einsatz im Operationssaal.

Liebe „alte Hasen“ im OP-Geschäft, habt ihr noch mehr Tipps für PraktikantInnen und StudentInnen? Welche OP-Regeln sollten im Knigge festgehalten sein? Welche Fehler, die man nicht selber wiederholen sollte, habt ihr schon gemacht?

Lasst mich und andere daran teilhaben: die-pjlerin@hashtag-gesundheit.de

Die PJlerin

Ab ins Praktische Jahr! Nach 10 Semestern voller Theorie im Medizinstudium habe ich im Mai mein PJ begonnen. Bis April 2019 werde ich euch ein Jahr lang von meinen Erlebnissen mit Höhen und Tiefen berichten und euch einen ehrlichen Einblick in den Klinikalltag geben.

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Ein schön kurz gehaltener und hilfreicher Beitrag! Hat mir gut gefallen.
    Ich als angehender PJler hätte mir allerdings etwas mehr “Tipps für Fortgeschrittene” gewünscht, zum Beispiel sowas wie “Welches Frühstück hält am längsten satt” oder Tipps gegen Rückenschmerzen vom Hakenhalten.

    Ich werde den Blog auf jeden Fall weiter verfolgen.

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