Blogbeitrag

Stäbchen rein – Spender sein!

Was passiert wenn’s soweit ist?

Hinweis:
Aus Gründen des Spender-/Empfänger-Schutzes ist es gemäß der Social-Media-Richtlinien der DKMS nicht gestattet genauere Angaben über Ort und Zeit der Knochenmarkspende zu machen. Daher erscheint dieser Beitrag zeitversetzt und ohne Nennung von beteiligten Personen.

Die Registrierung als Knochenmarkspender ist super einfach. Einfach ein Registrierungsset bestellen oder bei einer der vielen Registrierungsaktionen vor Ort registrieren. Alles erfolgt mittels eines Abstriches der Wangenschleimhaut. Alles in allem eine Sache von wenigen Minuten, die im besten Fall ein Leben retten kann!

Aber was ist, wenn der Anruf kommt, man als potenzieller Spender in Frage kommt, möglicherweise ein Leben retten kann? Diese und einige weitere Fragen möchte ich im folgenden Artikel basierend auf meinen eigenen Erfahrungen beantworten.

Ist es soweit, dass man als Spender in Frage kommt, folgt zuerst ein ausführliches Erstgespräch mit dem Spenderservice der DKMS. Hier wird der folgende Ablauf erklärt, alle Fragen beantwortet und die Termine abgestimmt.

Doch wie ist überhaupt der Ablauf? Und wie läuft die Knochenmarkspende ab?

Zunächst eine Blutabnahme beim Hausarzt zur so genannten Bestätigungstypisierung. Ehrlich gesagt ist das wie bei jeder Blutabnahme zur Erstellung eines Blutbildes, ein paar kleine Röhrchen mit Blut werden abgenommen, in Umschläge gepackt und in zwei verschiedene Labore geschickt. Dies ist notwendig um die nötige Sicherheit durch zwei unabhängige Untersuchungen zu gewährleisten.

Wenn dann einige Tage die Bestätigung kommt, die Gewebemerkmale zueinander passen, wird es langsam ernst. Keine Übereinstimmungsmöglichkeit mehr, sondern eine bestätigte Übereinstimmung. Man ist wirklich in der Lage einem Patienten zu helfen. In meinem Fall wurde bereits im Vorhinein explizit die Möglichkeit der operativen Knochenmarkentnahme angefragt, bei der in Vollnarkose eine gewisse Menge Blut-Knochenmark-Gemisch aus dem Becken entnommen wird.

Jetzt werden die wichtigsten Termine ausgemacht: die Voruntersuchung im Entnahmezentrum der DKMS der Termin für die Knochenmarkentnahme, in meinem Fall auf operativem Wege, ebenfalls in einem der Entnahmezentren der DKMS.

Durch die Ansprechpartner*innen des Spendenservice werden alle Hotelbuchungen und Zugtickets gebucht und zugesandt, sowie Informationsbriefe für Arbeitgeber, Universität oder Schule erstellt und übermittelt.

Die Voruntersuchung

Da mein Termin zur Voruntersuchung bereits um 8:00 Uhr morgens war, bin ich bereits einen Tag vorher nach Köln gereist und konnte so noch etwas Sightseeing betreiben. Nach dem Frühstück ging es dann zur Klinik.

Zunächst werden alle Informationen zum Ablauf der Voruntersuchung bekannt gegeben, daran anschließend beginnt auch schon die Voruntersuchung. Nach dem Ausfüllen mehrerer Fragebögen, dem Wiegen, der Bestimmung aller Laborparameter sowie Ultraschall-Untersuchung und Ruhe-EKG stehen die Arztgespräche auf dem Plan. Operateur*in und Anästhesistin*in, die für den expliziten Eingriff eingeteilt sind, nehmen sich viel Zeit um den Ablauf der Entnahme genau zu erklären und alle Fragen zu beantworten.

Nach etwa vier Stunden „Aufwand“ geht es mit einem guten Gefühl und positiver Aufregung zurück nach Hause.

Die Spende

Am Vortag der Spende bin ich mit Begleitung bereits gegen Mittag in Köln eingetroffen und bezog mein Zimmer im Entnahmezentrum. Nach einem kurzen Aufnahmegespräch bleibt der restliche Tag zur freien Verfügung.

Nun war er also gekommen, der Tag der Entnahme. Also OP-Hemd und Thrombosestrümpfe anziehen und schon wurde ich abgeholt. Zugang gelegt, die Narkose eingeleitet und gute Nacht! Einen Augenblick später folgt auch schon das Aufwachen im Aufwachraum. Später habe ich erfahren, dass die eigentliche Entnahme nur wenige Minuten gedauert hat. (Schnitt-Naht-Zeit: 17 Minuten)

Etwa 2 Stunden musste ich zur Eigenkompression der OP-Naht auf zwei Sandsäcken liegen bleiben. Nach etwa 4 Stunden beginnt die Mobilisation und der Zugang wird wieder entfernt. Nun darf auch wieder eigene Kleidung getragen werden – um einiges angenehmer als ein flatteriges OP-Hemd.

Wer bekam meine Knochenmarkspende?

Im Laufe des Nachmittags kamen Operateur*in und Anästhesist*in zu mir, um je ein Nachgespräch zu führen und nach mir zu schauen. Außerdem wurde ich über die Charakteristika des Spenders informiert: Ein Junge zwischen 6 und 12 Jahren aus Frankreich. Wow! Ich habe einem kleinen Kind das Leben gerettet! Aber habe ich das wirklich? Wird das gespendete Knochenmark vom Körper des Empfängers angenommen? Diese Fragen entstehen zwangsläufig irgendwann im Laufe des Spendeprozesses.

Leider erlaubt es die Gesetzgebung in Frankreich nicht den Empfänger jemals kennen zu lernen. Auch darf die Klinik, in der der Empfänger behandelt wurde, keine Informationen zum Ergebnis der Spende an die DKMS melden, was in vielen anderen Ländern nach drei Monaten möglich ist. Was bleibt, ist jedoch die Möglichkeit einen Brief an „meinen“ Zwilling zu schreiben, der durch die DKMS in anonymisierter Form weitergeleitet wird.

Wie geht es weiter?

Am nächsten Tag erfolgt das Entlassgespräch und dann geht’s zurück nach Hause. Was die Auswirkungen der OP angeht, war ich in den ersten 2 Tagen zwar noch etwas schlapp, Schmerzen hatte ich in der gesamten Zeit nach der OP jedoch keine, daher konnte ich auch auf die erhaltenen Schmerzmittel verzichten.

Nun war die Entnahme vorbei. Ich habe Knochenmark gespendet und vielleicht ein Leben gerettet. Ein großartiges Gefühl!

Mein Fazit

Alles in allem kann ich zu 100 % sagen, dass ich es wieder tun würde. Es erfordert fast keinen Aufwand, durch den Spenderservice der DKMS erfolgt eine super Betreuung und das Gefühl, welches man nach der Spende hat ist unbeschreiblich gut. Die bei mir durchgeführte Form der Knochenmarkentnahme ist zudem total unkompliziert und schränkte mich in keinster Weise ein. Ein Überblick über die Entnahmeformen gebe ich weiter unten.

Hintergrundinformationen
DKMS

Die DKMS – Deutsche Knochenmarkspenderdatei – ist eine 1991 in Deutschland gegründete Organisation mit dem Ziel den Blutkrebs zu besiegen. Erreicht werden soll dies durch eine möglichst hohe Anzahl von registrierten Stammzellspendern sowie die Unterstützung der Weiterentwicklung der bereits bestehenden Therapieformen.
Die Registrierung als Stammzellspender kann entweder im Rahmen einer Registrierungsaktion vor Ort oder mittels eines Registrierungssets geschehen. Ein solches kann ganz einfach und kostenfrei unter https://www.dkms.de/de/spender-werden angefordert werden.

Registrierungsset der DKMS
Knochenmarkentnahme – Entnahmemethoden

1.Periphere Stammzellentnahme

Die so genannte periphere Stammzellentnahme ist die am häufigsten durchgeführte Spendenform. Hierbei wird dem Spender im Vorfeld der Entnahme ein (etwa eine Woche lang) ein Wachstumsfaktor verabreicht. Dieser Wachstumsfaktor kommt, wenn auch in geringerem Maße, natürlich im Körper vor und ist daher dem Körper bereits bekannt. Aufgabe dieses Wachstumsfaktors ist es, die Stammzellen im Blut zu erhöhen, sodass bei der späteren Blutentnahme die Konzentration der Stammzellen im Blut erhöht ist. So können die benötigten Stammzellen durch eine geringere Blutmenge gewonnen werden. Während dieser Wachstumsfaktor eingenommen wird, kann es gelegentlich zu Grippesymptomen kommen. Zur eigentlichen Entnahme ist hierbei kein stationärer Aufenthalt notwendig, da die Entnahmeprozedur in der Regel innerhalb eines Tages abgeschlossen ist.

Periphere Stammzellentnahme (c) DKMS

2. operative Knochenmarkentnahme

Im Gegensatz zur peripheren Stammzellenspende existiert auch noch die Entnahmeform der operativen Knochenmarkentnahme. Hierbei wird der Spender in eine Vollnarkose gelegt und es wird etwa 1 Liter Blut-Knochenmark-Gemisch aus dem Beckenkamm entnommen. Diese Menge des Gemischs enthält etwa 5% des gesamten Knochenmarks, sodass eine vollständige Regeneration innerhalb von etwa 2 Wochen erfolgt ist. Zur Durchführung diese Entnahmemethode ist die stationäre Aufnahme im Entnahmezentrum notwendig, diese dauert in der Regel etwa 3 Tage. Nach der Entlassung sollte der Spender für einige weitere Tage zuhause bleiben. Die Mediziner*innen des Entnahmezentrums stellen hierzu eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus, sodass keine Urlaubstage o.ä. aufgewendet werden müssen.

Operative Knochenmarkentnahme (c) DKMS

Ich studiere seit Oktober 2014 Medizinische Informatik an der Georg-August-Universität Göttingen. Daneben arbeite ich als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Medizinische Informatik der Universitätsmedizin Göttingen.
Zudem bin ich ehrenamtlich als Rettungssanitäter und Gruppenführer im Bevölkerungsschutz und Sanitätsdienst beim Malteser Hilfsdienst Göttingen engagiert.
Meine fachlichen Interessen liegen im Bereich Health-IT, (bio-)medizinische Forschung und Notfallversorgung.

Vorheriger Beitrag
#Detektei – Fall 1: Die Myopie
Nächster Beitrag
Reizdarm: Der eingebildete Kranke?

1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Sophie Reißig
    27. April 2019 07:30

    Ich durfte bereits ebenfalls spenden. Bei mir kam eine periphere Stammzellentnahme in Frage. Für mich ging es nach Dresden. Nmdie Voruntersuchung verlief ähnlich, wir lernten jedoch zusätzlich wie wir ein Medikament in Pulverform mit Kochsalz auflösen und in eine Spritze aufziehen. Für mich als Krankenschwester täglich Brot, doch auch die anderen Spender lernten das sehr schnell. Warum wir sowas lernten? Vor der peripheren Stammzellentnahme muss man sich 1 Woche lang selbst kleine Spritzen geben, ähnlich Thrombosespritzen, wie man sie nach einem gebrochenen Bein bekommt. Diese Spritzen bewirken, dass unser Knochenmark Unmengen Stammzellen produziert. Der pieks ist eine Überwindung, aber im Ernstfall lässt man die Spritze durch jemand anderen setzen. Von den Spritzen hatte ich ein paar Nebenwirkungen, die völlig normal sind und zeigten, dass das Mittel wirkt. Ich bekam ein wenig Gliederschmerzen, wie bei einer Grippe. Das ließ sich jedoch gut aushalten. Zur Spende begab saß ich dann in einem bequemen Sessel und mir wurden in den linken und rechten Arm Kanülen mit Schläuchen eingeführt. Neben mir stand eine große Maschine, welche nun aus meinem Blut die Stammzellen extrahierte. Erinnerte ein wenig an Blutspende oder Dialyse. Nebenbei durfte ich mir meinen Lieblingsfilm ansehen, wurde mit Essen und Getränken versorgt und blitzschnell waren 3 Stunden rum. Ich war hinterher ein wenig müde, aber hatte sonst keine Beschwerden. Alles in Allem eine super Sache und ich würde jederzeit wieder spenden.
    Während der gesamteb Zeit stand immer ein Ansprechpartner der DKMS telefonisch zur Verfügung. Alle Fragen wurden beantwortet und man hätte jederzeit noch nein sagen können. Die DKMS hat nicht nur ein 4-Sterne-Hotel und Anfahrt bezahlt, sondern selbiges für eine Begleitperson, Taxikosten, Restaurantrechnungen, Lohnkosten für den Arbeitsausfall und es gab ein riesen Care-Paket als Dankeschön. Man wird super betreut und ist dort in Guten Händen.
    Meine Spende ging an einen 21-jährigen jungen Mann aus Kanada. Nach 1 Jahr hätte ich genauen Namen und Adresse erfahren können, doch leider erhielt ich einige Wochen nach der Spende die Nachricht, dass er den Kampf leider verloren hat. Das hat mich sehr getroffen, doch ich war froh darüber, dass er durch mich eine Chance erhalten hatte.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü