Blogbeitrag

Der Eisbecher des Studiums

Es heißt Abschied nehmen. Aus der PJlerin ist vor ein paar Wochen eine richtige Ärztin geworden und damit endet nach einem Jahr der Hashtag Gesundheit Blog zum Praktischen Jahr im Medizinstudium. Danke an alle, die diesen Blog über die Monate mitverfolgt haben!

Die letzten PJ-Wochen in der Anästhesie vergingen immer schneller und kaum, dass ich mich versah, saß ich schon wieder an meinem Schreibtisch und wälzte Lernnotizen (ja, und auch Altprotokolle). Mir blieben wenige Wochen, um mich auf das M3, den Dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung vorzubereiten.

Geprüft werden im M3 immer vier Fächer: Innere Medizin und Chirurgie treffen jede/n, dann das Wahlfach und ein viertes Fach wird zugelost. Das Ganze findet an zwei Tagen statt und erfolgt als mündlich-praktische Prüfung.

Die gute Nachricht: So gut wie niemand fällt durch.
Die schlechte Nachricht: Gestresst ist man trotzdem.

Nach den letzten Jahren, wollte ich dieses Examen nicht nur bestehen, sondern brillieren, um dem Studium (und hier möchte ich meine beste Freundin zitieren) „die Kirsche auf der Sahne auf dem Schokoeisbecher“ aufzusetzen.

Um es kurz zu fassen: Es lief letztendlich durchwachsen.

Mein PJ war super. Ich konnte praktisch viel lernen, aber die Vorbereitungszeit für die Theorie wurde ziemlich schnell ziemlich knapp. Die beiden Prüfungstage waren dann mit die anstrengendsten des gesamten Studiums, aber zum Glück gingen auch die vorbei.

Es gibt einiges an Literatur zu Prüfungsvorbereitung, aber diese 3 Ratschläge möchte ich euch mit auf den Weg geben:

  • Sei realistisch! Wenn dir im PJ nicht mehrfach alternative Berufe vorgeschlagen wurden, dann stehen die Chancen gut, dass das mit der Prüfung klappt. Vor allem am ersten Tag geht es nur darum die Dinge zu tun, die man im Jahr davor quasi den ganzen Tag macht (Anamnese, körperliche Untersuchung, Patientenvorstellung, usw.)
  • Fühl dich wohl! Stell dich in deinem Prüfungsoutfit vor den Spiegel und probier aus ob alles sitzt. Sind die Schuhe bequem? Passt die Bluse unter den Kittel? Dein Outfit soll dir Selbstbewusstsein geben und dich nicht noch zusätzlich stressen, weil die Hose vielleicht kneift.
  • Der Tag vor der Prüfung gehört nur dir! Du kannst am letzten Tag nicht mehr viel reißen. Selbst in der ganzen letzten Woche vor dem Examen ist es nicht möglich die gesamte klinische Lehre zu wiederholen, denn das Examen ist ein Marathon und kein Sprint. Mach dir das zu Nutzen: am letzten Tag wird nicht mehr gelernt. Lenk dich irgendwie ab und freu dich, dass du bald Arzt oder Ärztin sein wirst. Gönn deinem Kopf vor den entscheidenen zwei Prüfungstagen eine Pause.

Egal. Nicht perfekt ist auch bestanden.

Und jetzt, genau jetzt gerade, wenn ich die frisch gedruckte Approbationsurkunde auf meinem Schreibtisch liegen sehe, dann ist mir das auch irgendwie egal. Mir sind die verhauenen Anatomie-Testate egal, die Lernsommer, in denen ich zu wenig Sonne und zu viel „Schreibtisch“ oder wahlweise auch „Krankenhaus“ gesehen habe. Mir sind die verpassten Partys (und zum Glück noch mehr nicht verpasste Partys) egal; die schlaflosen Nächte und auch die panischen Blicke auf Klausurergebnisse. Ich bin so dankbar, dass ich durch drei Wochen eines wirklich fordernden Psychiatrie-Praktikums manövriert wurde und zwischenzeitlich definitiv zu viel über Augen lernen musste (dafür, dass es so ein kleines Organ ist). Es ist gut, dass mich die Pharmakologie durch das Studium verfolgt hat und ja, auch die Pathologie hat ihre Daseinsberechtigung. Ein so breites Wissen wie jetzt, wird es realistisch gesehen in meinem Kopf nie wieder geben.

Ab jetzt wird es “nur noch” spezieller.

Der Berufseinstieg steht bevor und ich habe so unendlich Lust auf diesen Job, obwohl ich genau weiß, dass es hart werden wird. Die Stellensituation für junge Ärzte/innen ist golden, die Arbeitsbedingungen sind es eher nicht. Ich kann es kaum erwarten, als Ärztin zu arbeiten, auch wenn ich vermutlich mehr als einmal an meine Grenzen kommen werde. Um ehrlich zu sein, habe ich auch mächtig Respekt vor dem, was kommt. Fünf Jahre Studium und 48 Wochen PJ scheinen eine lange Zeit zu sein. Gefühlt waren es über die Jahre hunderte Anamnesen, Blutabnahmen, Röntgenbilder und Untersuchungen. Realistisch betrachtet waren es viel zu wenige.

Bei einem bin ich mir sehr sicher: Das Medizinstudium ist wie die Fahrschule. Wenn du deinen Führerschein in der Hand hältst, dann heißt das nur, dass du im Straßenverkehr niemanden grob gefährdest, dass du die Regeln beherrschst und dein Können am Steuer hoffentlich richtig einschätzen kannst.

Autofahren lernst du nachts um 3 auf der verregneten Landstraße.

Noch immer zieht es mich in die Chirurgie und eine Stelle habe ich auch schon. Der Starttermin steht also! Bis es wirklich losgeht steht noch einiges an Papierkram an (man könnte fast behaupten, dass ein Teil davon schwieriger ist als ein Staatsexamen) und ansonsten: Urlaub, Sommersprossen sammeln, Freunde treffen, umziehen.

Dieses Studium hat mir unendlich viel abverlangt und noch mehr gegeben.

14 Semester.

Ende.

Hinweis: Vor der Veröffentlichung wird jeder Artikel von unserer Redaktion geprüft. Dennoch spiegelt unser Blog nicht zwingend die Meinung des Vereins wider. Einzelne Positionen oder Bewertungen in den Artikeln basieren grundsätzlich auf der Meinung des Autors / der Autorin.

Die PJlerin

Ab ins Praktische Jahr! Nach 10 Semestern voller Theorie im Medizinstudium habe ich im Mai 2018 mein PJ begonnen. Ein Jahr lang habe ich von meinen Erlebnissen mit Höhen und Tiefen berichten und wollte euch einen ehrlichen Einblick in den Klinikalltag geben.

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