Blogbeitrag

Die PJlerin | Leichtes Gepäck

Die ersten Tage im Praktischen Jahr liegen hinter mir. Zurzeit bin ich der Allgemein- und Viszeralchirurgie zugeteilt und lerne jeden Tag viele neue Fakten, Gesichter, Namen und Prozeduren. Auch wenn sich langsam etwas Routine zeigt, bin ich noch nicht ganz angekommen und werde deshalb erst in ein paar Wochen ausführlich von meinem Start berichten.

Bis jetzt hat mich zu einem großen Teil die Arbeits- und Selbstorganisation beschäftigt: Tagesabläufe, Untersuchungsabläufe, Stationsabläufe. Wann mache ich was? Und was nehme ich dazu mit?
Zu der letzten Frage habe ich nun eine Antwort gefunden und für euch alles festgehalten:

Was ich am 1. PJ-Tag dabei hatte
  • zwei kleine Hefte
    (eins für Telefonnummern, eins für Notizen)
  • Stethoskop
  • Reflexhammer
  • Verbandsschere
  • Namensschild
  • etwas Bargeld
  • Pupillenleuchte
  • Notfall-Müsliriegel
  • Zwei (!) Kugelschreiber
  • Permanent-Marker
  • Taschentücher
  • Arzneimittel pocket
  • Stauband

Diese Zusammenstellung wirkt zwar willkürlich, hat sich für mich aber in dieser Form nach allen bisherigen Praktika und Famulaturen ergeben. Zudem wusste ich an meinem ersten Tag noch nicht in welcher chirurgischen Abteilung ich starten werde, machte es daher so wie bei jeder Reisevorbereitung und versuchte wirklich für alle Eventualitäten zu planen – und zu packen.

Was ich am 10. PJ-Tag dabei hatte

Was geblieben ist:

  • Müsliriegel – hat sich schon mehr als einmal vor längeren Operationen bewährt
  • Stethoskop – außer Konkurrenz
  • 1 Notizheft – mit Telefonnummern; der Rest kommt auf die Übergabeliste
  • Verbandsschere
  • Namensschild – nun ein offizielles Schild der Klinik
  • Bargeld
  • (k)ein Kugelschreiber – geht oft mal verloren
  • Permanent Marker

Was ausgepackt wurde:

  • Reflexhammer – brauche ich im Moment nicht
  • Arzneimittel pocket – jetzt digital dabei
  • Taschentücher – kein Platz mehr dafür
  • Stauband – auf jedem Blutabnahmetablett vorhanden
  • das zweite Notizheft – ist der Übergabeliste gewichen
  • Pupillenleuchte – nie gebraucht bisher und vorerst verbannt

Was dazu kam:

  • Schlüssel (für Umkleiden, OP-Bereich, Arztzimmer)
  • Telefon & Röntgenplakette (nicht auf dem Bild)
  • Übergabeliste der Station
  • Mein Smartphone – mit allen Apps zum Nachschlagen

Der Titel dieses Beitrags passt doch nicht so gut wie zuerst gedacht. Mein Gepäck in den Kitteltaschen ist nur unwesentlich leichter geworden. Verzichten möchte ich aber trotzdem im Moment auf keines der Gepäckstücke.

Die größte Erkenntnis der letzten Tage war wohl die, dass ich auch im Klinikalltag mein Smartphone gut gebrauchen kann. Bisher kam es mir immer unhöflich vor dieses während der Arbeit zu zücken, aber seit meinen ersten Praktika sind doch schon ein paar Jahre vergangen und mir scheint es, als seien Smartphones im (Arbeits-)Alltag nun etablierter. Für mich ist es eine riesige Erleichterung nicht den nächsten PC suchen zu müssen, um mal eben etwas zu googlen. Dosierungen, Übersetzungen, Leitlinien und Definitionen – alles ist auf meinem Smartphone mit dabei. Vor den Patienten bin ich trotzdem sehr zurückhaltend damit. Auf den ersten Blick sieht man nicht ob man gerade seriös recherchiert oder doch eine Nachricht schreibt. Wenn es möglich ist verwende ich zu dem mein Smartphone meistens im Flugmodus, um weniger abgelenkt zu werden. Leider sind nicht alle Apps offline nutzbar, was zusätzlich in einem Haus mit vielen Funklöchern einen großen Nachteil darstellt. Die Gewichtsersparnis mit Smartphone statt Notizheften und Bücher ist dafür – im wahrsten Sinn des Wortes – eine Erleichterung.

Hier also eine Liste meiner persönlichen Lieblingsapps für den Klinikalltag:

Amboss Wissen
Amboss ist definitiv ein großartiges Nachschlagewerk, zudem offline nutzbar und mit einer sehr intelligenten Suchfunktion ausgestattet. Noch großartiger war nur der Moment, als ich die App vom „Examensmodus“ in den „Arztmodus“ umstellten konnte.  Das Lernprogramm basiert auf Lernkarten. Diese können zusätzlich mit Notizen versehen werden und per Klick auf verschiedene Begriffe gibt es entweder den Link zur neuen entsprechenden Lernkarte oder es erscheint eine Kurzdefinition. Ursprünglich für die Vorbereitung auf das Hammerexamen entwickelt, gibt es nun auch Lernkarten für die Vorklinik und den bereits erwähnten „Arztmodus“ mit dem zum Beispiel auch Medikamentendosierungen und ausführlicheres Wissen abrufbar sind.
Der Zugang ist kostenpflichtig, allerdings hat meine Uni eine Campuslizenz, wodurch ich Amboss kostenlos nutzen kann.

Arzneimittel Pocket
Die analoge Version des Börm Bruckmeier Verlags ist bereits ein Klassiker. Hier ist die gesamte Pharmakotherapie übersichtlich zusammengetragen. Nach Registrierung lässt sich die App kostenlos, aber mit Werbung nutzen. Allerdings wird die Nutzung bald durch die Kombination mit einem DocCheck-Zugang für medizinische Fachkreise beschränkt.
Leider bereitete mir die App technische Probleme und verlangte zudem bei jeder Nutzung ein erneutes Einloggen, was mir schnell zu umständlich wurde und ich deshalb auf „Arznei aktuell“ umstieg.

Arznei aktuell
Herausgegeben wird diese praktische App vom ifap Service Institut. Mein Highlight hier ist der Promillerechner. Ansonsten nutze ich die Suchfunktion meistens um Standarddosierungen oder Produktnamen nachzuschlagen.

DocCheck Flexikon
Die App ist einfach und übersichtlich, aber nur online nutzbar – gut, um schnell einen Begriff oder eine Definition nachzuschlagen.

Embryotox
Bisher noch nicht genutzt, aber diese App der Charité Berlin, in der alle Daten zu Arzneimittelverträglichkeit bei Schwangeren zusammengetragen sind, kenne ich bereits aus einer Famulatur in der Gynäkologie und Geburtshilfe. Das Programm ist übersichtlich und auch offline nutzbar. In der Gynäkologie wird dieses vermutlich häufiger verwendet, aber Schwangere können einem überall begegnen. Das Gleiche gilt für -> *

PediHelp
Kinder. Hier sind an einer virtuellen farbkodierten Skala Dosierungen und Normwerte für Kinder jeder Altersklasse zusammengetragen – Intuitiv bedienbar und übersichtlich. Auch hier habe ich die App bisher eher dazu genutzt um mir in ein paar ruhigen Minuten einige Werte einzuprägen.

Welche Apps nutzt ihr in eurem Klinik-Alltag?
Ich würde gerne noch mehr testen und freue mich über Tipps, Vorschläge und Anregungen unter
die-pjlerin@hashtag-gesundheit.de

Vermutlich kommt die große Gewichtsersparnis mit steigendem Dienstgrad: die Oberärzte beschränken sich auf das wirklich Wichtige – Kugelschreiber und Telefon. Davon bin ich noch weit entfernt.

 

Disclaimer: Ich möchte hier nicht explizit für Apps oder deren Anbieter werben. Dies Aussagen beruhen auf meiner unabhängigen Meinung und Erfahrung mit den oben genannten Apps. Keine App dieser Welt ersetzt selbstständiges Denken und Handeln.

Die PJlerin

Ab ins Praktische Jahr! Nach 10 Semestern voller Theorie im Medizinstudium habe ich im Mai mein PJ begonnen. Bis April 2019 werde ich euch ein Jahr lang von meinen Erlebnissen mit Höhen und Tiefen berichten und euch einen ehrlichen Einblick in den Klinikalltag geben.

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