Blogbeitrag

Die #Märchenstunde … und sie lebten glücklich und zufrieden in ihren Körpern. Punkt?

Body positivity movements kamen in den letzten Jahren vermehrt in den sozialen Netzwerken auf – allein auf Instagram finden sich zum Hashtag #bodypositive über 10 Millionen Beiträge. Dabei wird #bodypositive vielseitig interpretiert. In der Regel geht es darum, eine positive Beziehung zum eigenen Körper aufzubauen. Manche verstehen darunter sportliche Aktivität, andere versuchen mehr die Akzeptanz eigener „Fehler“, also Abweichungen vom vorherrschenden Schönheitsideal, zu fördern. Wiederum andere stellen eben diese häufig unrealistischen und diskriminierenden Schönheitsideale grundlegend in Frage. Es gibt auch Blogs und Accounts zum Thema #bodypositive, die sich um gesunde Ernährung und einen gesundheitsförderlichen Lebensstil/#Lifestyle drehen oder Make-Up grundsätzlich ablehnen. Das Thema ist breit gefächert und so auch die Meinungen.

Warum aber ist es notwendig eine positive Beziehung zum eigenen Körper öffentlich zu promoten? Dafür zu werben? Selbstliebe und Selbstfürsorge sind Konzepte, die in unserer Gesellschaft oft zu kurz kommen. Wir haben „keine Zeit“ für Sport, Kochen oder Entspannung und sind unzufrieden, weil wir eben nicht wie Heidi, Bella, Kim oder Hailey aussehen. Kennste nicht? Nicht schlimm. Schönheitsideale sind dank Instagram & Co. so präsent wie nie. Schlank, faltenfrei und ohne jegliche Unreinheiten oder Makel präsentieren sich weibliche wie männliche Influencer, Prominente und sonstige Sternchen. Dass viele der Bilder professionell vorbereitet und bearbeitet werden, wird in der Regel nicht erwähnt. Diese Scheinideale können schlichtweg nicht erreicht werden. Unzufriedenheit und ständige Selbstzweifel bei den Fans und Followers können die Folge sein. Denn die allgegenwärtige Präsenz dieser Ideale in Werbung, Fernsehen, Kino und eben Social Media beeinflusst uns oft – ob wir wollen oder nicht. Es wird Spanx-Unterwäsche getragen, um Speckröllchen zu kaschieren, die Beauty-Produkte der Influencer werden massenhaft gekauft und Leute, die diesen Idealen nicht entsprechen, werden sogar herabgestuft Ohja, #fatshaming is a thing. Dass Abweichungen von Idealvorstellungen, vom diktierten Optimum, der menschliche Standard sind und das auch gut so ist, wird von vielen nicht gesehen. So kann die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper auch die mentale Gesundheit beeinflussen.

Wir wollen besonders sein und sehen doch alle gleich aus – dank der Contouring-Palette von Kylie (#samesame: Kennste nicht? Absolut nicht schlimm) – wir wollen frei sein und lassen uns doch in dem Gedanken fangen, dass wir nicht hübsch, schlank, groß oder muskulös genug sind. Auf Instagram & Co. finden innere Werte sowieso eher wenig Platz. All die Aufmerksamkeit wird auf perfekte Bilder und Äußerlichkeiten gelenkt. Sich wirklich um den eigenen Körper, das eigene Wohlbefinden zu kümmern, sollte aber über das perfekte Make-Up hinaus gehen. Denn dieser Körper – deiner, seiner, ihrer, meiner – trägt uns durchs Leben. Und so soll body positivity auch nicht dazu aufrufen sich gehen zu lassen und das dann zu lieben. Ganz im Gegenteil, es geht darum, den eigenen Körper als solchen wahrzunehmen, ihn zu lieben und sich um ihn zu kümmern. Unser persönliches Glück sollte nun einmal nicht davon abhängen, wie wir aussehen.

Und eben diesen Ansatz, sein Leben nicht von Äußerlichkeiten bestimmen zu lassen, kann man nur unterstützen. Auch sich mehr mit der eigenen körperlichen und auch psychischen Gesundheit zu befassen, kann helfen, ein positiveres Selbstbild zu entwickeln und sich nicht so schnell verunsichern zu lassen. Am Ende muss es um Empowerment gehen, um Befähigung, Aufklärung und Toleranz. Niemand ist besser als der andere, weil er 15 kg weniger wiegt. Du hast keinen Po wie Kim? Na und! Glück, Liebe und Freundschaft sind nichts, was auf einem 100k-likes Profilbild aufbauen. Und der Mensch, jeder Mensch, ist so viel mehr, als das, was wir von ihm sehen können. Also seid glücklich, wie ihr seid, lasst andere glücklich sein, wie sie sind – denn Glück können wir immer gut gebrauchen auf dieser Welt.

Falls ihr mehr über body positivity erfahren wollt besucht www.thebodypositive.org oder klickt euch durch die unzähligen Beiträge auf Instagram (hilft auch wenn man einfach mal an einem „schlechten“ Tag etwas Rückenwind braucht). Plus-size Model Iskra Lawrence (@iskra) – u. A. Markenbotschafterin für Aerie Real – setzt body positivity inzwischen auch mit kostenlosem Gesundheits- und Wellness-Programm um (everybodywithiskra.com).

Lara Wirbelhauer

27, aus Mainz, wohnt und arbeitet in Berlin

Ich habe während meines dualen Bachelor Studiums als Gesundheitstrainerin in der ambulanten Rehabilitation und Patientenberatung gearbeitet. Mit Herzblut stehe ich für Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit in der Gesundheitsversorgung ein und schaue dabei zu gern über den eigenen Tellerrand hinaus. Aktuell arbeite ich als Werkstudentin in der Wirtschaftsförderung für die Bereiche Medizintechnik, Digital Health und Versorgung. Parallel arbeite ich an meiner Masterthesis zum Thema Telemedizin und Versorgungsgerechtigkeit.
In der Blogserie #Märchenstunde stelle ich aktuelle Gesundheitsthemen kritisch ins Rampenlicht und fordere Euch, unsere Leser, zum Nach- und Mitdenken auf. Ich freue mich auf rege Diskussionen und Feedback!

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