BGM zwischen alten Herausforderungen & neuen Technologien

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) steht alteingesessenen, andauernden Herausforderungen, wie der Finanzierung und Erreichung der Mitarbeitendenschaft gegenüber. Auch das digitale BGM (dBGM) (erster Artikel der Blogreihe) stößt trotz seiner Möglichkeiten (zweiter Artikel) bei der flächendeckenden praktischen Umsetzung an verschiedene Grenzen (dritter Artikel). Zeitgleich finden neue Technologien rasanten Einzug in die Arbeitswelt.

Auch in der Gesundheitsbranche ist ein Trend hin zu Connected Healthcare zu beobachten und Gesundheitsdatenströme werden als das „Öl des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Zahlreiche neue Softwarelösungen und Technologien bieten auch für Gesundheitskennzahlen im BGM neue Potenziale. Sie können vielfältige Daten über Beschäftigte und deren Arbeitsbedingungen liefern, aus denen passgenaue Maßnahmen abgeleitet und im Anschluss evaluiert werden können.1

Digitalisierung des individuellen gesundheitlichen Lifestyles

Der zunehmende Einfluss innovativer digitaler Lösungen spiegelt sich zum einen im Trend hin zu Gesundheits-Apps und Wearables wider. Verschiedene Technologien bieten wertvolle Impulse und Möglichkeiten im Bereich der Verhaltensprävention, d. h. hinsichtlich gesundheitsbewusster Verhaltensweisen des einzelnen Individuums. Bei beispielsweise einer Aufzeichnung der Traningsdaten des Feierabendlaufs mit der Smartwatch und direkter Übertragung an die vom Arbeitgeber gestellte Fitness-App treten neue Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen der zunehmend verschwimmenden Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben hervor.

Auch Virtual Reality (VR), als weiteres Beispiel neuartiger Technologien, findet zunehmend in Sport und Training Einzug. Mittels VR-Brillen, die mit Apps verknüpft sind, kann beim Workout zuhause hautnah in virtuellen Winter- und Wassersportwelten trainiert werden.2

Digitalisierung der Arbeitswelt

Neue digitale Technologien finden aber nicht nur in der Gesundheits- und Fitnessbranche zunehmend Anwendung, sondern vor allem im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) auch in Unternehmen verschiedenster Branchen als Zielobjekt des BGM. In zahlreichen Branchen öffnet KI neue Möglichkeiten in den verschiedensten Prozessen – von der Produktion über die Qualitätssicherung bis zur Personalwirtschaft.

An dieser Stelle kann KI auch zur Verhältnisprävention, d.h. hinsichtlich räumlichen und organisatorischen Gesundheitsfaktoren im Unternehmen beitragen. KI beeinflusst alle vier Handlungsfelder einer produktiven, präventiven und gesundheitsförderlichen Arbeitswelt und -gestaltung: Führung & Kultur, Organisation, Sicherheit und Gesundheit. Sie kann also nicht nur zu produktiven und wandlungsfähigen Prozessen, sondern auch zu einer produktiven und sicheren Arbeitsgestaltung beitragen. Beispielsweise können körperlich schwere Tätigkeiten oder Zwangshaltungen, wie in der Produktion oder Pflege, durch Assistenzsysteme wie mobile Roboter oder Exoskelette unterstützt und so die Arbeitssicherheit erhöht und Gesundheit gefördert werden.3

Quelle: Kelvin Han via Unsplash

Es zeigt sich, dass digitale Technologien nicht nur, wie möglicherweise zunächst intuitiv angenommen, neue verhaltenspräventive BGM-Angebote schaffen. Sondern zukünftig auch die Verhältnisprävention hinsichtlich der Unternehmensstrukturen und -prozesse formen werden, die mit BGM-Angeboten und Maßnahmen adressiert werden müssen.

Zum einen verändern sich die Belastungen durch den Einsatz digitaler Technologien, beispielsweise durch Arbeitshaltungen, -orte und -zeiten bei vorwiegend mobilen Tätigkeiten. Zum anderen sind neben informationstechnologischen und ingenieurwissenschaftlichen Aspekten auch sozio-technologische Faktoren ausschlaggebend für den Erfolg neuer Technologien.

Daher sollten bei der Planung neuer Technologien auch Präventionsexpert:innen beteiligt werden, die die neuen Systeme aus der Perspektive der Gesundheit der Beschäftigten und Führungskräfte bewerten und mitgestalten.3

Quellen:

1 Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) 4.0, in: Verbundprojekt Prävention 4.0, In: Offensive Mittelstand, Heidelberg (2019)

2 https://www.icaros.com/de/

Frost, Martina; Guhlemann, Kerstin; Cordes, Anja; Zittlau, Katrin; Hasselmann, Oliver (2020): Produktive, sichere und gesunde Arbeitsgestaltung mit digitalen Technologien und Künstlicher Intelligenz – Hintergrundwissen und Gestaltungsempfehlungen. In: Zeitschrift für Arbeitswissenschaft, 2020(74), S. 76-88.

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Katja Stenzel

Katja Stenzel studiert im Master Gesundheitsökonomie an der Uni Bayreuth und brennt für alles rund um das Thema Gesundheitsförderung & Prävention. Praktische Einblicke erwarb sie in Praktika in Betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM) im Produktionssektor, Public Health auf Bundesebene und Gesundheitsförderung auf Krankenkassenebene. Derzeit vertieft sie als Werkstudentin ihre BGM-Kenntnisse im IT-Dienstleistungssektor.

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