Rezension zum Buch „Spitzenfrauen! – Medizinerinnen in Führungspositionen und Top-Management“, MWV, erschienen 2016, von Martina Oldhafer (Hrsg.)

Knapp 70 % Frauenanteil im Medizinstudium, aber kaum weibliche Führungskräfte im Gesundheitswesen. Die Nachricht, dass die Medizin weiblich wird, hat die Top-Managementebenen anscheinend noch nicht erreicht. Oder wird sie dort ignoriert? Wie ist diese Diskrepanz zu erklären? Was erwarten junge Medizinerinnen heutzutage? Was bedeutet weibliche Führung und wie können solche Karrierewege aussehen? In welche Richtung verändert sich gerade unser Gesundheitswesen und welche Auswirkungen hat dies auf die Arbeitswelt?

Diese Fragen möchte das Buch „Spitzenfrauen! – Medizinerinnen in Führungspositionen und Top-Management“ beantworten. Das Werk erschien bereits 2016 und wurde von Martina Oldhafer herausgegeben.

Die Herausgeberin:

Dr. rer. biol. hum. Martina Oldhafer (MBA) ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Transitionsmedizin und ehemalige Leiterin des Change Managements am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Die studierte Medizinsoziologin hält zudem Verlesungen in Medizinischer Soziologie, Geschichte, sowie Theorie und Ethik der Medizin an der Universität Lübeck. Sie ist verheiratet und Mutter von vier Kindern.

Das Buch:

„Spitzenfrauen!“ richtet sich an junge Medizinerinnen und Spitzenfrauen von morgen. Es beleuchtet, mit wissenschaftlichen Fakten hinterlegt, die aktuellen Entwicklungen und den stattfindenden Wertewandel im Gesundheitswesen in Bezug auf den stetig ansteigenden Frauenanteil, nicht nur (aber eben auch) in Führungspositionen. Das Buch ist in vier Kapitel gegliedert:

Von der Tradition zur Moderne
„So lange es einer überregionalen süddeutschen Tageszeitung eine ganze Seite wert ist, über die Berufung einer Frau auf einen Lehrstuhl zu berichten, müssen gezielt karrierefördernde Maßnahmen für Frauen ergriffen werden.“

Das erste Kapitel des Buches befasst sich mit der Rolle der Frau in der Medizin und beleuchtet wie sich diese bis zum heutigen Tag verändert hat. Besonders gut gefiel mir dabei das Porträt von Dr. Dorothea Erxleben (1715-1762), der ersten promovierten Ärztin in Deutschland. Zudem wird der Wandel des Arztberufes im Hinblick auf gegenwärtige Herausforderungen (Ökonomisierung, Wertewandel, Nachwuchsmangel etc.) beleuchtet.

Biographien mit Vorbildcharakter
„Streichen Sie das Wort „Rabenmutter“ aus Ihrem Kopf.“

Das „Herzstück“ des Buches bildet das zweite Kapitel. Dieses beleuchtet die Karrierewege und Lebensläufe von 51 Spitzenfrauen im Gesundheitswesen. Jede der Mitautorinnen beantwortete dabei die folgenden Fragen:

  • Was raten Sie jungen Medizinerinnen bezüglich Beruf, Karriere und Familie?
  • Wann und durch wen haben Sie die meiste Förderung in Ihrem beruflichen Werdegang erfahren?
  • Gab es für Sie ein weibliches Vorbild?
  • Haben Kolleginnen Sie unterstützt und gefördert?
  • Wer oder was war ihr größter Widersacher?
  • Was hat Sie immer wieder motiviert, weiterzumachen?
  • Führungstipps – Ihre Tipps kurzgefasst für junge Medizinerinnen

An den Biographien habe ich mich praktisch festgelesen. Ich fand es dabei besonders faszinierend wie Karrierewege, innerhalb oder außerhalb der Klinik, unterschiedlich gestaltet werden können und auf welche Ressourcen die porträtierten Frauen auf dem Weg an die Spitze zurückgreifen konnten.

Weibliche Führung
„Das alte Klischee des männlich autoritären, aggressiv vorgehenden, auf Sozialkompetenz pfeifenden Chefarztes ist einfach nicht mehr zeitgemäß.“

Die letzten beiden Kapitel des Buches beschäftigen sich mit den Themen „Weibliche Führung“ und einem Ausblick auf zukünftige Entwicklungen. Hier wird auch das Projekt FamSurg vorgestellt. Eine Initiative, die erarbeiten soll, welche Strukturen dazu beitragen den Frauenanteil in der  “Männerdomäne Chirurgie” nachhaltig zu steigern. Denn in den chirurgischen Fächern ist der Anteil an praktizierenden Ärztinnen trotz seit Jahren steigendem Anteil an weiblichen Medizinstudierenden an den deutschen Fakultäten noch immer ausgesprochen gering.

Fazit

Das Buch richtet sich an junge Spitzenfrauen und alle die es werden möchten. Es liefert konkrete Tipps und Fahrpläne zur Karriereplanung als Frau im Gesundheitswesen.

Der Nachwuchsmangel in der Medizin führt zu verschärften Arbeitsbedingungen, aber schafft gleichzeitig auch eine bessere Verhandlungsposition für Arbeitnehmer/innen. Dadurch hat die zukünftige Ärztegeneration wesentlich mehr Möglichkeiten Einfluss auf sich wandelnde Arbeitsstrukturen zu nehmen und alte Modelle aufzubrechen.

Alle diese beginnenden Entwicklungen nützen aber nichts, wenn die neuen eingeschlagenen Wege nicht konsequent weitergegangen werden. Egal ob Berufseinsteiger/in oder schon Spitzenfrau: Die sich jetzt ergebenen Chancen helfen nur, wenn sie auch genutzt werden.

„Spitzenfrauen!“ zeigt auf welchen Wegen eine (medizinische) Karriere im Gesundheitswesen möglich ist und das nicht „obwohl“ man eine Frau ist, sondern gerade deshalb!

Hinweis: Vor der Veröffentlichung wird jeder Artikel von unserer Redaktion geprüft. Dennoch spiegelt unser Blog nicht zwingend die Meinung des Vereins wider. Einzelne Positionen oder Bewertungen in den Artikeln basieren grundsätzlich auf der Meinung des Autors / der Autorin.

Marie-Luisa Martini

Ich bin Medizinstudentin der Philipps-Universität Marburg und schreibe zurzeit meine Doktorarbeit. Neben dem Studium engagiere ich mich ehrenamtlich im Bereich Katastrophenschutz und war auch schon als Tutorin für andere Medizinstudierende aktiv, da ich sehr gerne Wissen vermittle. Meine zweite große Leidenschaft neben der Medizin gilt der Musik, die ich am liebsten selber mache.

Menü